Schwergutterminal

Schwergutterminal

Das Schwergutzentrum Mannheim der Spedition Kübler zeigt, was ein Schwergutterminal ausmacht: leistungsfähige Umschlagtechnik, Hallen- und Freiflächen sowie die direkte Anbindung an Straße, Schiene und Wasser. So können schwere und großvolumige Güter an einem Standort umgeschlagen, gelagert, montiert und für den Weitertransport vorbereitet werden.
Foto: Spedition Kübler GmbH


Die Begriffe Schwergutterminal und Schwerlastterminal werden in der Praxis weitgehend gleichbedeutend verwendet. Eine allgemein anerkannte fachliche Abgrenzung zwischen beiden Bezeichnungen besteht nicht.

Ein Schwergutterminal ist eine speziell ausgerüstete Anlage für den Umschlag, die Lagerung und teilweise auch die Montage besonders schwerer, großer oder geometrisch anspruchsvoller Güter. Häufig verbindet es verschiedene Verkehrsträger miteinander und ermöglicht beispielsweise den Wechsel vom Schwertransportfahrzeug auf ein Binnen- oder Seeschiff.

Was gilt als Schwergut?

Schwergut wird nicht allein durch sein Gewicht bestimmt. Auch große Abmessungen, eine ungewöhnliche Form, ein außermittiger Schwerpunkt oder eine empfindliche Konstruktion können besondere Transport- und Umschlagverfahren erforderlich machen.

Typische Schwergüter sind:

  • Transformatoren und Generatoren
  • Turbinen, Maschinen und Pressen
  • Kessel, Behälter und Reaktoren
  • Brücken- und Stahlbauteile
  • Windenergie- und Offshore-Komponenten
  • große Industrie- und Anlagenbauteile

Ein besonders langes, hohes oder breites Bauteil kann beim Umschlag ebenso anspruchsvoll sein wie eine kompakte Last mit mehreren Hundert Tonnen Gewicht.

Welche Aufgabe hat ein Schwergutterminal?

Die zentrale Aufgabe ist der sichere Übergang zwischen verschiedenen Transportabschnitten. Dieser Vorgang wird als Umschlag bezeichnet.

Ein Transformator kann beispielsweise auf einem Schwerlastfahrzeug zum Terminal gebracht, dort mit einem Kran angehoben und auf ein Binnenschiff verladen werden. Bei einem Import läuft die Transportkette in umgekehrter Richtung.

Der Umschlag muss nicht unmittelbar erfolgen. Viele Schwergutterminals bieten deshalb weitere Leistungen an:

  • Zwischenlagerung
  • Vor- oder Endmontage
  • Verpackung und Korrosionsschutz
  • innerbetriebliche Transporte
  • Ladungssicherung
  • Vorbereitung auf den nächsten Transportabschnitt

Ein Schwergutterminal ist damit nicht nur ein Platz, an dem eine schwere Last angehoben wird. Es ist ein spezialisierter Übergabe-, Lager- und Bearbeitungspunkt innerhalb der Projektlogistik.

Multimodale und trimodale Anbindung

Werden innerhalb einer Transportkette verschiedene Verkehrsträger genutzt, handelt es sich um einen multimodalen Transport.

Ein Schwergutterminal kann beispielsweise Straße und Wasser miteinander verbinden. Ist es an Straße, Schiene und Wasser angebunden, wird es häufig als trimodales Terminal bezeichnet.

Eine Straße, ein Gleis und eine Kaikante machen einen Standort allerdings noch nicht automatisch schwerguttauglich. Die Ladung muss den Umschlagbereich tatsächlich erreichen können. Dafür müssen Zufahrten, Kurvenradien, Durchfahrtshöhen, Gleisanlagen und Rangierflächen zur jeweiligen Transportkombination passen.

Was unterscheidet ein Schwergutterminal von einem gewöhnlichen Terminal?

Container und viele konventionelle Stückgüter werden mit weitgehend standardisierten Verfahren umgeschlagen. Bei Schwergut muss dagegen häufig jeder Vorgang einzeln geplant werden.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Gewicht und Abmessungen der Last
  • Lage des Schwerpunktes
  • vorhandene Anschlagpunkte
  • Tragfähigkeit der Umschlaggeräte
  • Belastbarkeit der Terminalflächen
  • Tragfähigkeit der Kaimauer
  • Platz für Fahrzeuge, Krane und Hilfstechnik
  • Erreichbarkeit über Straße, Schiene und Wasser

Nicht nur der Kran muss die Last tragen können. Hohe Kräfte entstehen auch unter Kranabstützungen, Raupenketten, SPMT-Achslinien, Fahrzeugrädern und Lagerböcken. Der gesamte Lastpfad von der Last über das Umschlaggerät bis in den Untergrund muss sicher beherrscht werden.

Welche Umschlagverfahren gibt es?

Beim LoLo-Verfahren – Lift-on/Lift-off – wird die Ladung mit einem Kran zwischen Land und Schiff umgesetzt. Dafür können beispielsweise Hafenmobilkrane, Mobilkrane, Raupenkrane, Portalkrane, Schwimmkrane oder bordeigene Schiffskrane eingesetzt werden.

Beim RoRo-Verfahren – Roll-on/Roll-off – wird die Last auf einem Transportgerät über eine Rampe auf das Schiff oder vom Schiff an Land gefahren. Zum Einsatz kommen beispielsweise SPMT, modulare Achslinien oder Rolltrailer.

Ist weder ein klassischer Kranhub noch eine RoRo-Verladung geeignet, können hydraulische Hubsysteme, Litzenheber oder Verschubbahnen verwendet werden.

Ein Schwergutterminal benötigt daher nicht zwingend einen fest installierten Schwerlastkran. Entscheidend ist, ob die vorhandene Infrastruktur das für die konkrete Last erforderliche Umschlagverfahren ermöglicht.

Welche Ausstattung benötigt ein Schwergutterminal?

Die Ausstattung hängt vom Standort und dessen Spezialisierung ab. Typisch sind:

  • tragfähige Kai-, Fahr- und Lagerflächen
  • geeignete Kran- oder Hubtechnik
  • Freilager- und Montageflächen
  • Hallen für empfindliche Güter
  • ausreichend große Rangierbereiche
  • geeignete Straßen- und gegebenenfalls Gleisanschlüsse
  • ein nutzbarer Liegeplatz oder eine RoRo-Rampe
  • Lagerböcke und Systeme zur Lastverteilung

Eine große Fläche ist nicht automatisch eine Schwerlastfläche. Entscheidend ist außerdem, welche Flächen-, Punkt- und Linienlasten sie aufnehmen kann. Besonders hohe örtliche Belastungen können beispielsweise unter Kranabstützungen, Raupenketten, SPMT-Achslinien oder Lagerböcken entstehen. Unterirdische Leitungen, Schächte, Entwässerungsanlagen oder Teile der Kaimauerkonstruktion können die Nutzung zusätzlich einschränken.

Welche Rolle spielt die Wasserstraße?

Für den wasserseitigen Umschlag reicht eine Kaikante allein nicht aus. Der Liegeplatz und die gesamte Zufahrt müssen für das vorgesehene Schiff und die geplante Transportkette geeignet sein.

Zu berücksichtigen sind beispielsweise:

  • verfügbarer Tiefgang
  • Wasserstand und Pegelschwankungen
  • Länge und Breite des Liegeplatzes
  • Brücken und Schleusen auf der Route
  • Strömungs- oder Tidenverhältnisse
  • Höhe der Kaikante
  • Belastbarkeit von Pollern und Fenderanlagen

Niedrigwasser kann die mögliche Zuladung eines Schiffes begrenzen. Hochwasser kann wiederum die Durchfahrtshöhe unter Brücken verringern. Die praktische Leistungsfähigkeit eines Schwergutterminals endet deshalb nicht an der eigenen Kaikante.

Wie wird ein Schwergutumschlag geplant?

Die Planung beginnt lange vor dem Eintreffen der Ladung. Benötigt werden insbesondere das bestätigte Gewicht, die Abmessungen, die Schwerpunktlage, die Anschlagpunkte und die zulässigen Belastungen des Bauteils.

Abhängig vom Vorhaben können unter anderem erforderlich sein:

  • Transport- und Umschlagkonzepte
  • Kranstudien und Hubpläne
  • Nachweise zur Lastverteilung
  • Stau- und Ladungssicherungspläne
  • Gefährdungsbeurteilungen
  • Abstimmungen zwischen Terminal, Spedition, Kranunternehmen und Schiffsbesatzung

Bei der Übernahme oder Abgabe einer schweren Last verändert sich zudem die Lage des Schiffes. Ballastierung, Krängung, Trimm und Tiefgang müssen deshalb während des Umschlags kontrolliert werden.

Wo liegen die Grenzen?

Auch ein ausgewiesenes Schwergutterminal kann nicht jede Last übernehmen. Eine Angabe wie „Umschlag bis 500 Tonnen“ genügt für die Beurteilung eines konkreten Projekts nicht.

Entscheidend ist beispielsweise, ob:

  • der Kran die Last bei der erforderlichen Ausladung heben kann,
  • Kai und Terminalfläche die auftretenden Kräfte aufnehmen können,
  • Fahrzeuge den Umschlagplatz erreichen und dort rangieren können,
  • das Schiff den Liegeplatz nutzen kann,
  • die Ladung durch Brücken und Schleusen passt,
  • ausreichend Arbeitsraum für den geplanten Ablauf vorhanden ist.

Die Bezeichnung „Schwergutterminal“ ist daher kein pauschaler Eignungsnachweis. Für jedes Projekt muss geprüft werden, ob die gesamte Transport- und Umschlagkette technisch und organisatorisch beherrscht werden kann.

Schwergutterminal oder Schwerlastterminal?

In der Praxis werden beide Bezeichnungen für vergleichbare spezialisierte Anlagen verwendet.

Die Spedition Kübler bezeichnet ihr trimodales Schwergutzentrum in Mannheim als Schwergutterminal. In Gelsenkirchen trägt der entsprechende Standort den Namen Schwerlast-Terminal Gelsenkirchen. In Wesel verwendet die Schwerlast Terminal Niederrhein GmbH ebenfalls die Bezeichnung Schwerlastterminal.

Aus der unterschiedlichen Benennung lässt sich keine allgemeingültige technische Abgrenzung ableiten. Welche Güter an einem Standort tatsächlich übernommen werden können, ergibt sich nicht aus seinem Namen, sondern aus seiner konkreten Ausstattung, seinen Flächen, seinen Verkehrsanbindungen und den betrieblichen Möglichkeiten.

Der Begriff Schwerlastterminal wird deshalb im SLT-Lexikon als gleichbedeutende Bezeichnung geführt und verweist auf dieses Lemma.

Quintessenz

Ein Schwergutterminal verbindet spezielle Umschlagtechnik mit Flächen und Verkehrswegen, die für besonders schwere, große oder anspruchsvolle Güter geeignet sind. Entscheidend ist nicht allein die Tragfähigkeit des größten vorhandenen Krans, sondern das Zusammenspiel von Zufahrt, Terminalfläche, Umschlagtechnik und gegebenenfalls Kaimauer und Liegeplatz. Die Bezeichnungen Schwergutterminal und Schwerlastterminal werden in der Praxis weitgehend gleichbedeutend verwendet.

Verknüpfte Begriffe: Schwerlastterminal · Schwertransport · Binnenschifffahrt · RoRo · SPMT · Tandemhub · Kranaufstellung · Bodenpressung · Tragfähigkeit · Pegelstand