Erfahrung ist nur durch Erfahrung zu ersetzen

Blick über den Betriebshof der HKV Schmitz + Partner GmbH, vorbei am Rollenkopf eines Mobilkrans. | Foto: SFR


Manchmal reicht ein einziges Interview, um festzustellen: Da brennt jemand für dieselbe Sache. Nach dem Gespräch mit Yvonne Skalsky (geb. Schmitz), geschäftsführende Gesellschafterin der HKV Schmitz + Partner GmbH und Tochter des Seniors, war schnell klar: Das kann nicht bei einem Interview bleiben. Von Duisburg nach Köln ist es schließlich nur ein Katzensprung. Also wurde aus einem Telefonat ein gemeinsamer Kaffee – und aus dem Kaffee ein spannender Blick hinter die Kulissen.

Zu einem Besuch gehört für mich immer auch ein Rundgang über den Betrieb. Dort zeigt sich meist sehr schnell, wie ein Unternehmen tatsächlich tickt. Was mir dabei erneut auffiel: Bei den wirklich guten Krandienstleistern herrscht oft dieselbe Atmosphäre. Hallen und Betriebshof sind so gepflegt, dass man sprichwörtlich vom Boden essen könnte. Ordnung ist hier keine Nebensache. Sie gehört zur Unternehmenskultur.

Wertschätzung beginnt dort, wo sie niemand sieht

Mitarbeiterzufriedenheit wird heute häufig mit kostenlosen Getränken, Fitnessangeboten oder anderen Zusatzleistungen verbunden. Bei HKV fiel mir etwas auf, das wesentlich unspektakulärer wirkt – und gerade deshalb viel über das Unternehmen erzählt.

In der Umkleide stehen keine schmalen Standardspinde, sondern rund zwei Meter hohe, großzügige Schränke. Sie bieten ausreichend Platz für die komplette Arbeitskleidung. Die eigentliche Besonderheit verbirgt sich jedoch darunter.

Die Schränke stehen auf einem Gestell, und die Fußbodenheizung wurde so geplant, dass die warme Luft unter ihnen hindurchströmt. Da die Schränke keinen geschlossenen Boden, sondern ein Gitter besitzen, steigt die Wärme durch den gesamten Schrank. Feuchte Arbeitskleidung trocknet über Nacht und ist am nächsten Morgen wieder einsatzbereit.

Es ist ein Detail, das kein Kunde jemals zu Gesicht bekommt. Gleichzeitig erzählt es viel über die Art, wie hier geführt wird. Wer versteht, wie wichtig trockene Arbeitskleidung nach einem langen Tag auf der Baustelle ist, hat auch verstanden, wie Mitarbeiterbindung entsteht.

Alteingesessen – aber nicht verkrustet

Auf dem Betriebshof übernimmt ein Turmdrehkran täglich interne Hebe- und Umsetzarbeiten. Er gehört längst selbstverständlich zum Bild des Unternehmens. Die eigentliche Bewegung findet derzeit jedoch an anderer Stelle statt: beim Generationenwechsel.

„Wir mussten uns schon genau überlegen, wie wir den Spagat von ‚alteingesessen, aber nicht verkrustet‘ zu ‚frische Ideen und trotzdem hohe Kompetenz‘ hinbekommen“, beschreibt Yvonne Skalsky die Herausforderung.

Das betrifft nicht nur den Außenauftritt. Natürlich fallen die gelb-grünen Krane im Straßenbild auf. Sichtbarkeit entsteht heute jedoch nicht mehr allein durch große Maschinen. Auch ein traditionsreiches Familienunternehmen muss zeigen, dass Erfahrung und Weiterentwicklung kein Widerspruch sind.

Dazu gehört bei HKV auch die schrittweise Übergabe von Verantwortung. Die Aufgaben des Seniors in den Bereichen Kundenbetreuung, Akquise und Technik gingen nach und nach auf Michael Schmitz, der diese Bereiche heute verantwortet, über. Kein abrupter Wechsel, sondern ein bewusst gestalteter Übergang – nachvollziehbar für Mitarbeiter ebenso wie für Kunden.

Das Wissen „aus der Lamäng“

Genau an dieser Stelle beschäftigt viele Familienunternehmen dieselbe Frage: Wie lässt sich jahrzehntelange Erfahrung weitergeben?

Der Senior erkennt manche Zusammenhänge innerhalb weniger Augenblicke. Lösungen entstehen scheinbar ganz selbstverständlich – eben „aus der Lamäng“. Dahinter steckt kein Zufall, sondern jahrzehntelange Praxis.

Dieses Erfahrungswissen lässt sich weder aufschreiben noch vollständig erklären. Es entsteht durch eigene Entscheidungen, eigene Erfolge und manchmal auch durch eigene Fehler.

Während unseres Gesprächs mussten wir beide schließlich lachen. Denn am Ende blieb nur eine Erkenntnis stehen:

„Erfahrung ist nur durch Erfahrung zu ersetzen.“

Genau darin liegt wahrscheinlich einer der wichtigsten Faktoren einer gelungenen Unternehmensnachfolge. Strukturen, Verantwortlichkeiten und Prozesse lassen sich organisieren. Das notwendige Fingerspitzengefühl wächst dagegen nur mit der Zeit.

Der Besuch bei HKV zeigte deshalb weit mehr als einen gut organisierten Kranbetrieb. Er machte sichtbar, wie Unternehmenskultur entsteht: durch Aufmerksamkeit für die Menschen, durch Klarheit in der Führung und durch einen Generationenwechsel, der Bewährtes bewahrt und gleichzeitig Raum für eigene Erfahrungen schafft.

Eine persönliche Geste: Dieses HKV-Kranmodell erhielt Modellbauer Matthias Will zusammen mit einem persönlichen Brief von Yvonne Skalsky. Das Modell stammt nicht aus seiner eigenen Werkstatt, sondern von einem geschätzten Modellbaukollegen. Eine kleine Aufmerksamkeit – und ein schönes Beispiel dafür, dass Wertschätzung oft in den unscheinbaren Dingen sichtbar wird. | Fotos: Matthias Will

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