Während viele das Ende des Wochenendes genießen, wartet Schwertransportfahrer Michael Cordie auf einem Rastplatz auf seine Abfahrt. Wenige Minuten später beginnt für ihn eine neue Arbeitswoche | Foto: Michael Cordie
Sonntagabend. 22 Uhr
Das Wetter geht immer.
Seit Tagen ist es heiß. So heiß, dass selbst der erste Kaffee keine Lust auf große Gedanken macht. Man schimpft über 36 Grad, über stickige Büros und darüber, dass das Denken heute irgendwie schwerfällt.
Dann lese ich die Schlagzeile des Bundeskanzlers: „Wir arbeiten zu wenig.“ Ich lege das Handy zur Seite. Wenige Minuten später stoße ich auf eine andere Meldung:
Die Firmengruppe Max Bögl investiert in fünf neue Liebherr-Mobilkrane, um ihre Kapazitäten beim Ausbau der Windenergie weiter auszubauen. Für große Montageprojekte werden zusätzlich spezialisierte Kranunternehmen wie der Hellmich Kranservice eingebunden.
Ich halte kurz inne. Denn irgendetwas passt an diesem Bild nicht.
Wer in diesen Tagen mit Unternehmern spricht, hört selten, dass sie zu wenig arbeiten. Meist geht es um fehlende Fachkräfte, steigende Kosten, verschobene Genehmigungen oder darum, wie der nächste Auftrag personell überhaupt noch gestemmt werden soll. Gleichzeitig investieren andere Unternehmen Millionen in neue Technik, bauen ihre Flotten aus und bereiten sich auf die nächsten Großprojekte vor. Beides geschieht zur selben Zeit.
Genau deshalb tue ich mich schwer damit, von der Wirtschaft zu sprechen, als wäre sie ein einziges Unternehmen. Die Wirtschaft besteht aus Hunderttausenden Betrieben, die jeden Morgen vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen stehen. Der eine bangt um den nächsten Auftrag. Der andere bestellt fünf neue Großkrane.
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Und selbst das Wetter erzählt zwei Geschichten. Für die einen ist die Hitze das beherrschende Thema des Tages. Für die anderen entscheidet sie darüber, ob heute betoniert werden kann, ob ein Windrad montiert wird oder ob ein Schwertransport pünktlich sein Ziel erreicht. Wenn Wetter, Genehmigungen und Logistik zusammenpassen, zählt jede Stunde.
Vielleicht hören wir einfach zu oft denjenigen zu, die über Wirtschaft reden – und zu selten denen, die sie jeden Tag organisieren. Für mich ist das die eigentliche Erkenntnis an diesem Sonntagmorgen:
Nicht jede Schlagzeile beschreibt die Wirklichkeit.
Wer wissen will, wie es um unser Land steht, sollte Sonntagabends gegen 22 Uhr einmal auf einen Rastplatz fahren. Dort warten die ersten Schwertransporte auf ihre Abfahrt, und für viele Fahrer beginnt bereits die neue Arbeitswoche.
Das ist der Unterschied.
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Sylvia, das ist die Wirklichkeit und nicht das, was uns der Fritz in seiner überheblichen Art seit Amtsantritt vorwirft. Vielleicht sollte er sich mal von seinem schweren Job für einen Woche freinehmen und z.B. Andreas ab Sonntag Abend 22:00 Uhr eine Woche mal begleiten – bei 36 Grad.