Pegelstand – Wasserstand am Pegel richtig verstehen

Pegellatte

Eine Pegellatte zeigt den Wasserstand gegenüber dem festgelegten Pegelnullpunkt.
Der abgelesene Wert entspricht nicht automatisch der örtlichen Wassertiefe.


Definition

Der Pegelstand bezeichnet die Höhe des Wasserspiegels an einer festgelegten Messstelle eines Gewässers. Gemessen wird der senkrechte Abstand zwischen dem aktuellen Wasserspiegel und dem für diesen Pegel festgelegten Pegelnullpunkt. Die Angabe erfolgt in Deutschland üblicherweise in Zentimetern.

Ein Pegelstand von 200 Zentimetern bedeutet daher nicht, dass das Gewässer an dieser Stelle zwei Meter tief ist. Er bedeutet lediglich, dass der Wasserspiegel zwei Meter über dem Pegelnullpunkt liegt.

Was zeigt ein Pegelstand an?

Pegelstände machen Veränderungen des Wasserstands sichtbar. Sie zeigen, ob das Wasser an einer Messstelle steigt, fällt oder weitgehend gleich bleibt. Zusammen mit historischen Messwerten, Vorhersagen und festgelegten Kennwerten ermöglichen sie die Beurteilung von Hochwasser- und Niedrigwassersituationen.

Für die Binnenschifffahrt sind Pegelstände eine wichtige Planungsgrundlage. Sie beeinflussen unter anderem:

  • die mögliche Abladetiefe eines Schiffes,
  • die transportierbare Ladungsmenge,
  • die Durchfahrt unter Brücken,
  • die Befahrbarkeit bestimmter Wasserstraßenabschnitte,
  • die Wahl des Schiffstyps und
  • die zeitliche Planung eines Transports.

Gerade bei Schwergut- und Projektladungen können bereits geringe Veränderungen des Wasserstands darüber entscheiden, ob ein Schiff die vorgesehene Ladung aufnehmen oder eine bestimmte Strecke befahren kann.

Pegelstand ist nicht gleich Wassertiefe

Der Pegelnullpunkt ist ein festgelegter Höhenbezug für die jeweilige Messstelle. Er entspricht nicht zwangsläufig der Gewässersohle. Deshalb lässt sich aus dem angezeigten Pegelstand allein keine örtliche Wassertiefe ablesen.

Auch ein Pegelstand von null Zentimetern bedeutet nicht, dass das Gewässer trockengefallen ist. Je nach Lage des Pegelnullpunktes kann sich unterhalb dieses Bezugspunktes weiterhin Wasser befinden.

Die tatsächliche Wassertiefe hängt außerdem von der Form der Gewässersohle, der Fahrrinne und der jeweiligen Position im Fluss oder Kanal ab.

Bedeutung für die Schifffahrt

Für die Schifffahrt genügt es nicht, lediglich einen aktuellen Pegelwert zu betrachten. Der Wert muss immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Gewässerabschnitt und den dort geltenden Bezugsgrößen ausgewertet werden.

Am Rhein spielt beispielsweise der Gleichwertige Wasserstand, kurz GlW, eine wichtige Rolle. Die festgelegte Fahrrinnentiefe wird auf diesen Referenzwasserstand bezogen. Aus der Differenz zwischen aktuellem Pegelstand und GlW sowie der garantierten Tiefe unter GlW kann die verfügbare Fahrrinnentiefe näherungsweise ermittelt werden.

Schiffsführer und Disponenten berücksichtigen zusätzlich den Tiefgang des Schiffes, den erforderlichen Sicherheitsabstand zur Gewässersohle, Strömung, Beladung und mögliche lokale Einschränkungen.


Praxisbezug: Was sagt der Pegelstand für die Schifffahrt aus?

Für die Schifffahrt ist der Pegelstand eine wichtige Rechengröße, aber keine direkte Angabe zur örtlichen Wassertiefe. Er zeigt den Wasserstand an einer Messstelle bezogen auf einen festgelegten Pegelnullpunkt. Erst zusammen mit weiteren Bezugsgrößen lässt sich daraus ableiten, wie tief ein Binnenschiff eine Strecke befahren und wie stark es beladen werden kann.

Dabei müssen mehrere Begriffe unterschieden werden: Der Pegelstand beschreibt den an einer Messstelle abgelesenen Wasserstand. Der Gleichwertige Wasserstand (GlW) ist ein festgelegter Referenzwert, auf den sich Angaben zur Fahrrinne beziehen können. Die Fahrrinnentiefe bezeichnet die verfügbare Tiefe im maßgeblichen Fahrwasser. Der Tiefgang gibt an, wie tief ein Schiff tatsächlich im Wasser liegt. Die Abladetiefe beschreibt, wie tief ein Schiff unter den vorhandenen nautischen Bedingungen maximal beladen werden kann.


In der Praxis wird also nicht allein auf den Pegelwert geschaut. Entscheidend ist vielmehr, welche Fahrrinnentiefe auf einem bestimmten Streckenabschnitt bei einem bestimmten Wasserstand zur Verfügung steht und welcher Sicherheitsabstand zur Gewässersohle eingehalten werden muss. Daraus ergibt sich die maximal mögliche Abladetiefe.

Besonders wichtig ist: Maßgeblich ist nicht irgendein einzelner Wert entlang der Strecke, sondern der flachste Abschnitt der gesamten Route. Dieser Engpass entscheidet darüber, wie stark ein Binnenschiff beladen werden darf.


Die Skizze verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Pegelstand, Referenzwasserstand, Fahrrinnentiefe und Abladetiefe. Der Pegelstand allein sagt noch nichts über die tatsächliche Wassertiefe an einer bestimmten Stelle aus. Erst im Zusammenhang mit den für einen Streckenabschnitt geltenden Bezugswerten und dem erforderlichen Sicherheitsabstand lässt sich beurteilen, wie tief ein Binnenschiff die Strecke befahren und wie stark es beladen werden kann. Maßgeblich ist dabei stets der flachste Abschnitt der gesamten Route./Skizze: KI

Wo findet man aktuelle Pegelstände?

Aktuelle Wasserstände der Bundeswasserstraßen werden unter anderem über PEGELONLINE und ELWIS veröffentlicht. Dort stehen je nach Messstelle auch historische Werte, Vorhersagen und wichtige Pegelkennwerte zur Verfügung.

Offizielle Wasserstandsdaten:

PEGELONLINE – aktuelle Wasserstände der Bundeswasserstraßen

ELWIS – Wasserstände und Vorhersagen


Mit fachlicher Unterstützung von Marcel Lohbeck, der seine Praxiserfahrung zu Pegelstand, Fahrrinnentiefe und Abladetiefe eingebracht hat.


Verknüpfte Begriffe

Pegel, Pegelnullpunkt, PEGELONLINE, ELWIS, Niedrigwasser, Hochwasser, Gleichwertiger Wasserstand, Fahrrinnentiefe, Wassertiefe, Tiefgang, Tauchtiefe, Abladetiefe, Binnenschifffahrt, Wasserstraße

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