Nur eine Turmdrehkran-Montage

Titelbild: Foto von der Helmkamera von Manuel Hochleitner während einer Turmdrehkran-Montage


Ich habe lange mit Manuel Hochleitner telefoniert.

Es war kein klassisches Interview, eher ein Gespräch, das von Projekt zu Projekt wanderte – manchmal sehr konkret, manchmal fast schwebend. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn vieles von dem, worüber wir gesprochen haben, spielt nicht am Boden, sondern oben am Ausleger.

Die Videos und Bilder geben einen Eindruck davon. Das Gespräch liefert die Details.


Manuel ist Turmdrehkran-Monteur bei Liebherr Österreich.

Sein Arbeitsalltag besteht aus Montage, Reparatur und Wartung von Turmdrehkranen. Dazu kommen Sonderprojekte – etwa dann, wenn statt eines Mobilkrans ein Hubschrauber eingesetzt wird.

Was viele dabei nicht bedenken:

Auch die Monteure benötigen für ihre Arbeit selbst wieder einen Kran. Für die Montage eines Turmdrehkrans wird ein Mobilkran eingesetzt, den Liebherr nicht selbst stellt. Man arbeitet hier mit externen Partnern zusammen. Die Auswahl erfolgt ortsbezogen – schlicht aus wirtschaftlichen Gründen, um lange Anfahrten zu vermeiden.

In Salzburg arbeiten aktuell sieben Monteure, gebietsweise eingeteilt. Bei größeren Obendreher-Kranen sind immer mehrere Kollegen gleichzeitig im Einsatz. Direkt am Kran müssen mindestens drei Personen arbeiten. Bei dem im letzten Video gezeigten Kran waren es vier oben am Ausleger, ein weiterer Kollege übernahm unten im Tal die Verladung.

Die Bauteile, mit denen gearbeitet wird, haben es in sich.

Denn: Ein einzelner Obergurt-Bolzen wiegt rund 35 Kilogramm. Allein ist das in dieser Höhe nicht zu handhaben. Teamarbeit ist hier keine Frage der Organisation, sondern der Physik.

Montiert werden sowohl Obendreher- als auch Untendreher-Krane. Der im Foto gezeigte Obendreher-Kran hat eine maximale Tragkraft von 20 Tonnen.


Manuel ist gelernter Mechatroniker und hat seine Ausbildung bei Liebherr gemacht, damals noch am Standort Bischofshofen.

Aber irgendwann war da dieses Gefühl: raus wollen. Mehr sehen. Einfach mehr machen. Als intern eine entsprechende Stelle ausgeschrieben wurde, war für ihn klar, dass er sich bewerben musste. (Er schmunzelt)

Es ist kein Beruf auf Zeit, sagt Manuel. Man kann ihn bis zum Ende machen. Es gibt Kollegen, die diese spezielle Art der Montage über 30 Jahre ausgeübt haben. Im Alltag arbeitet Manuel überwiegend im Raum Salzburg. Bei Sonderprojekten geht es österreichweit, und auch ins angrenzende Ausland. Gearbeitet wird auf Deutsch und Englisch.

Ein Projekt, das besonders in Erinnerung geblieben ist, war die Montage eines Turmdrehkrans am Dachstein – per Hubschrauber. Die Zufahrt war ausschließlich über eine Seilbahn möglich. Zusätzlich, das war der Auftrag, musste der Kran im Winterbetrieb zuverlässig funktionieren.

Die Hubtrommel wurde eingehaust, damit sich kein Schnee ablegt. In den Umlenkrollen wurden Eiskratzer verbaut, um ein Aufeisen des Hubseils zu verhindern. Denn sobald Eis auf dem Seil ist, kann sich die Rolle nicht mehr drehen – das ist technisch nicht akzeptabel.

Ein weiteres Projekt führte zur Staumauer Kaprun. Die Zufahrt erfolgte durch einen Berg. Für den Mobilkran blieben rundum etwa fünf Zentimeter Platz.

„Da brauchte es jemanden, der sein Fahrzeug wirklich beherrscht.“

Die Wetterbedingungen waren schwierig, dichter Nebel. Im Einsatz waren zwei Monteure von Swietelsky und zwei von Liebherr. Demontiert wurden zwei Krane – ein Kundenkran und ein Liebherr-eigener.

Solche Einsätze bedeuten immer einen hohen logistischen Aufwand. Allradfahrzeuge, Schneeketten, präzise Planung. Nichts davon passiert spontan.

Montage Turmdrehkran aus Sicht von Monteur Manuel Hochleitner

Gearbeitet wird am Ausleger stets mit doppelter Sicherung. Ein Sicherungsseil läuft permanent mit. Man arbeitet sich Feld für Feld vor.

Bei älteren Kranen ist die Sicherung weniger komfortabel. Moderne Systeme verfügen über durchgehende Sicherungslinien – das war vor 30 Jahren nicht der Fall. Im Video ist gut zu sehen, wo Manuel sein Y-Verbindungsmittel anschlägt.

Die Bedingungen dort oben sind anspruchsvoll.

Feuchte Kälte um den Gefrierpunkt ist oft unangenehmer als trockene Minusgrade. Beheizte Handschuhe helfen wenig, wenn Wasser hineinkommt. Und auch Hitze ist ein Thema: Plus 30 Grad fordern genauso wie minus 10.

Ob er sich vorstellen kann, diesen Beruf noch lange zu machen? Ja, sagt Manuel. Das sei nichts, was man „mal ausprobiert“. Das sei ein Beruf. Den macht er aus Überzeugung.

Zum Schluss habe ich meinem Bruder Holger davon erzählt. Schwerlast-Profi, seit Jahrzehnten im Geschäft. Sein Kommentar kam ohne Zögern:

„Silvie, das könntest du mir mit einem Sack Gold gar nicht bezahlen. Ich gehöre auf den Boden.“

Das passt. Nicht jeder gehört nach oben.

Aber irgendwer arbeitet dort – Tag für Tag.


Obendreher (Turmdrehkran)

Bei Obendrehern befindet sich der Drehkranz oben am Turm. Der Gegenballast befindet sich oben am Kran.
Der Ausleger dreht sich gemeinsam mit dem Oberwagen. Diese Bauart wird vor allem auf größeren Baustellen eingesetzt, auf denen hohe Hakenhöhen und große Ausladungen erforderlich sind.

Die Montage erfolgt abschnittsweise. Am Ausleger wird Feld für Feld gearbeitet, die Monteure sind dabei durchgehend gesichert. Im Regelfall wird der Ausleger am Boden zusammengebaut und in einem Stück auf den Kran gehoben. Nur wenn dies aus platz- oder technischen Gründen nicht möglich ist, wird dieser in Einzelteile am Kran zusammengebaut.

Im Gespräch wurde ein Obendreher mit einer maximalen Tragkraft von 20 Tonnen genannt. Die tatsächlich nutzbare Last ist – wie bei Turmdrehkranen üblich – abhängig von der jeweiligen Ausladung.


Untendreher (Turmdrehkran)

Bei Untendrehern befindet sich der Drehkranz am Turmfuß, und der Turm dreht sich gemeinsam mit dem Ausleger. Auch der Gegenballast befindet sich unten.

Diese Kranart wird häufig bei kleineren und mittleren Baustellen eingesetzt und zeichnet sich durch kompakte Abmessungen sowie einen vergleichsweise schnellen Auf- und Abbau aus.

Untendreher kommen häufig als Mietkrane zum Einsatz und unterliegen entsprechend regelmäßigen Wartungs- und Demontagezyklen.


Ergänzender Hinweis
Für die Montage von Turmdrehkranen wird in der Regel ein Mobil- bzw. Autokran benötigt. Liebherr arbeitet – je nach Region und Projekt – mit Unternehmen zusammen, die Mobilkrane im Rahmen der Kranvermietung zur Verfügung stellen.


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Die Videos (© Liebherr) sind im Artikel eingebunden; verwendetes Titelbild von Manuel Hochleitner (Helmkamera)

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