Turmdrehkrane im Großeinsatz auf der wohl kleinsten Baustelle der Welt: Beim Bau der Sandburg zählt nicht nur die richtige Technik, sondern vor allem echtes Teamwork. Foto: KI-generiert
Definition
Ein Turmdrehkran ist ein Kran mit einem senkrechten oder im Betrieb annähernd senkrechten Turm und einem daran angeordneten Ausleger, der sich um die Turmachse drehen kann. Dadurch kann der Kran Lasten nicht nur anheben und absenken, sondern innerhalb eines großen Arbeitsbereichs auch seitlich versetzen.
Turmdrehkrane werden vor allem auf Baustellen eingesetzt. Sie heben beispielsweise Schalungen, Bewehrungsstahl, Betonfertigteile, Mauersteine, Maschinen oder andere Baumaterialien an den benötigten Einbauort. Ihre besondere Stärke liegt darin, große Höhen und weite Ausladungen abzudecken, ohne für jeden Hub den Standort wechseln zu müssen.
Neben fest oder schienengebunden aufgestellten Turmdrehkranen gibt es auch straßenfahrbare mobile Turmdrehkrane. Dazu gehören die Spierings-Krane und die von Liebherr als Mobilbaukrane bezeichneten MK-Modelle. Sie führen Turm und Falt-Ausleger auf einem eigenen Fahrgestell mit und richten sich am Einsatzort selbstständig auf.
Wie funktioniert ein Turmdrehkran?
Ein Turmdrehkran kombiniert mehrere Bewegungen:
- Das Hubwerk hebt oder senkt die Last.
- Der Ausleger dreht sich mit der Last um die Turmachse.
- Bei einem Laufkatzausleger fährt die Laufkatze entlang des Auslegers nach innen oder außen.
- Bei einem Wippausleger wird der gesamte Ausleger angehoben oder abgesenkt.
Aus diesen Bewegungen ergibt sich der Arbeitsbereich des Krans. Der Kranführer kann eine Last aufnehmen, anheben, um den Turm schwenken und an einer anderen Stelle wieder absetzen.
Die waagerechte Entfernung zwischen der Drehachse des Krans und dem senkrecht darunterliegenden Lastaufnahmepunkt wird als Ausladung bezeichnet. Sie ist für die Tragfähigkeit entscheidend: Je weiter die Last von der Drehachse entfernt ist, desto größer wird das Lastmoment und desto geringer ist in der Regel die zulässige Last.
Ein Turmdrehkran kann deshalb nicht an jeder Stelle seines Auslegers gleich viel heben. Welche Last bei welcher Ausladung zulässig ist, zeigt das Traglastdiagramm beziehungsweise die Tragfähigkeitstabelle des jeweiligen Krans.
Die wichtigsten Bauteile
Turm
Der Turm ist das senkrechte, tragende Hauptbauteil des Krans. Er nimmt die Kräfte aus dem Kranbetrieb auf und leitet sie über den Unterbau oder die Fundamentverankerung in den Boden weiter.
Bei größeren Turmdrehkranen besteht der Turm häufig aus einzelnen Gittermastsegmenten, den sogenannten Turmstücken oder Turmschüssen. Durch das Einsetzen weiterer Turmstücke kann die Turmhöhe an das Bauvorhaben angepasst werden.
Bei Schnellmontagekranen und mobilen Turmdrehkranen wird der Turm dagegen häufig zusammengefaltet oder eingefahren transportiert und am Einsatzort mithilfe eigener Einrichtungen aufgerichtet.
Ausleger
Der Ausleger erstreckt sich vom oberen Bereich des Turms in Richtung der Last. An ihm wird das Hubseil beziehungsweise die Laufkatze geführt.
Bei einem waagerechten Laufkatzausleger fährt die Laufkatze auf dem Ausleger nach innen oder außen. Dadurch verändert sich die Ausladung, ohne dass der Ausleger selbst angehoben oder abgesenkt werden muss.
Ein Wippausleger besitzt dagegen in der Regel keine über die gesamte Auslegerlänge verfahrende Laufkatze. Seine Ausladung wird verändert, indem der Ausleger steiler aufgerichtet oder flacher gestellt wird. Solche Krane eignen sich besonders für enge innerstädtische Baustellen, weil sich der Ausleger steil über Hindernisse hinwegführen lässt und im Betrieb weniger weit in benachbarte Bereiche hineinragen muss.
Manche Turmdrehkrane mit Laufkatzausleger können ihren Ausleger zusätzlich in bestimmten Winkeln steilstellen. Dazu gehören beispielsweise Mobilbaukrane. Sie bleiben dennoch Laufkatzauslegerkrane, weil die Ausladung während des normalen Hubvorgangs weiterhin durch die Laufkatze verändert wird.
Gegenausleger
Der Gegenausleger befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Hauptauslegers. Er trägt je nach Kranbauart unter anderem Teile der Antriebstechnik und den Gegenauslegerballast.
Der Gegenausleger hebt die Wirkung der angeschlagenen Last nicht einfach vollständig auf. Er ist Teil des berechneten Kransystems und trägt dazu bei, Eigengewichte, Betriebskräfte und Lastmomente in den konstruktiv vorgesehenen Bereichen zu halten.
Laufkatze
Die Laufkatze ist ein verfahrbares Bauteil am waagerechten Ausleger. Über Rollen und Seile führt sie das Hubseil und damit den Lasthaken. Fährt die Katze nach außen, nimmt die Ausladung zu. Fährt sie in Richtung Turm, wird die Ausladung kleiner.
Da die zulässige Tragfähigkeit mit wachsender Ausladung normalerweise abnimmt, beeinflusst die Stellung der Laufkatze unmittelbar, welche Last gehoben werden darf.
Hubwerk und Hubseil
Das Hubwerk bewegt das Hubseil und hebt oder senkt dadurch die Hakenflasche und die daran angeschlagene Last. Je nach Einscherung läuft das Seil über mehrere Seilrollen und tragende Seilstränge.
Eine höhere Zahl tragender Seilstränge kann das Heben größerer Lasten ermöglichen, verringert jedoch in der Regel die mögliche Hubgeschwindigkeit.
Drehwerk und Drehkranz
Das Drehwerk erzeugt die Drehbewegung des Krans. Der Drehkranz verbindet den drehbaren mit dem feststehenden Teil.
Wo sich der Drehkranz befindet, entscheidet darüber, ob ein Turmdrehkran als Obendreher oder Untendreher bezeichnet wird.
Hakenflasche
Die Hakenflasche verbindet das Hubseil mit der Last beziehungsweise mit den verwendeten Anschlagmitteln. Sie besteht unter anderem aus dem Lasthaken, dem Gehäuse und – abhängig von der Einscherung – mehreren Seilrollen.
Auch das Eigengewicht der Hakenflasche muss beim Hub berücksichtigt werden. Es steht daher nicht vollständig für die eigentliche Nutzlast zur Verfügung.
Unterbau, Fundament und Ballast
Die vom Turmdrehkran erzeugten Kräfte müssen sicher in den Boden eingeleitet werden. Je nach Krantyp steht der Kran beispielsweise auf einem Fundamentkreuz mit Zentralballast, auf einem Fahrwerk, auf einer Portalkonstruktion oder ist über Fundamentanker mit einem Betonfundament verbunden.
Mobile Turmdrehkrane stehen während des Kranbetriebs auf Abstützungen. Das straßenfahrbare Fahrgestell allein übernimmt nicht die für den Hub erforderliche Standsicherung.
Menge, Anordnung und Befestigung des Ballasts dürfen nicht beliebig verändert werden. Sie müssen genau zum vorgesehenen Rüstzustand passen. Dazu gehören unter anderem Turmhöhe, Auslegerlänge, Kranbauart und Art des Unterbaus.
Zwei unterschiedliche Arten der Einteilung
Turmdrehkrane lassen sich nicht mit einer einzigen Begriffspaarung vollständig einteilen. Obendreher und Untendreher beschreiben die Lage des Drehkranzes. Begriffe wie Schnellmontagekran, Mobilbaukran oder mobiler Turmdrehkran beschreiben dagegen den Aufbau, den Transport oder die Einsatzweise.
Ein Turmdrehkran kann somit beispielsweise gleichzeitig ein Untendreher und ein Schnellmontagekran sein. Ein mobiler Turmdrehkran kann wiederum das Arbeitsprinzip eines Obendrehers besitzen, obwohl er auf einem straßenfahrbaren Fahrgestell transportiert wird.
Obendreher
Beim Obendreher befindet sich der Drehkranz oben am Turm. Der Turm selbst bleibt stehen, während sich der obere Teil des Krans mit Ausleger und Gegenausleger dreht.
Obendreher erreichen große Turmhöhen, Auslegerlängen und Tragfähigkeiten. Sie werden häufig auf größeren oder länger dauernden Baustellen eingesetzt. Ihre einzelnen Baugruppen werden mit Lastwagen angeliefert und üblicherweise mithilfe eines Mobilkrans montiert.
Zu den Obendrehern gehören sowohl Krane mit waagerechtem Laufkatzausleger als auch Krane mit Wippausleger.
Untendreher
Beim Untendreher befindet sich der Drehkranz im unteren Bereich des Krans. Bei der Drehbewegung drehen sich der Turm und der Ausleger gemeinsam.
Viele Untendreher sind als Schnellmontagekrane ausgeführt. Sie werden weitgehend vormontiert zur Baustelle transportiert und können sich mithilfe eigener hydraulischer oder mechanischer Einrichtungen aufrichten und entfalten. Ein zusätzlicher Montagekran ist dafür häufig nicht erforderlich.
Schnellmontagekrane werden vor allem im Wohnungsbau, bei kleineren Gewerbebauten sowie auf Baustellen mit häufig wechselnden Einsatzorten verwendet. Sie sind schneller umzusetzen als große, aus Einzelteilen montierte Obendreher, erreichen jedoch üblicherweise geringere Turmhöhen, Ausladungen und Tragfähigkeiten.
Schnellmontagekran und Untendreher sind dennoch keine bedeutungsgleichen Begriffe. „Untendreher“ bezeichnet die Lage des Drehkranzes, während „Schnellmontagekran“ die weitgehend vormontierte und selbstaufrichtende Bauweise beschreibt.
Praxisblick: Was sich an einem Turmdrehkran erkennen lässt

Das Foto entstand morgens gegen acht Uhr auf der Dachterrasse eines Düsseldorfer Hotels. Auf den ersten Blick steht dort schlicht ein „Baukran“. Wer jedoch weiß, wo er hinschauen muss, kann bereits aus einiger Entfernung mehrere Merkmale erkennen und daraus auf die Bauart schließen.
Gut zu erkennen sind:
– Untendreher:
Der Drehmechanismus sitzt unten; Turm und Ausleger drehen sich
gemeinsam.
– Laufkatzausleger:
Unter dem waagerechten Ausleger verläuft die Laufkatze, mit der der
Lasthaken nach innen oder außen fährt.
– Abgespannter Ausleger:
Die Abspannseile führen über die beiden Abspannböcke und stabilisieren
den langen Ausleger.
– Gegenausleger mit Ballast:
Links hinter dem Turm befindet sich der kurze Gegenausleger mit dem
Gegengewicht.
– Keine hoch gelegene Kabine:
Schnelleinsatzkrane dieser Bauart werden meist vom Boden aus mit einer
Funkfernsteuerung bedient.
Die Abspannung allein beweist noch nicht, dass der Kran faltbar ist. Zusammen mit dem verhältnismäßig niedrigen, schlanken Turm, dem mehrteiligen Ausleger und der gesamten Geometrie spricht sie hier jedoch deutlich für einen faltbaren Schnelleinsatzkran. Dessen Ausleger wird für den Transport abschnittsweise eingeklappt und auf der Baustelle mithilfe von Seilen und Hydraulik aufgerichtet beziehungsweise entfaltet.
Der entscheidende Praxisgedanke: Für eine erste Einordnung müssen weder das Fabrikat noch die genaue Typenbezeichnung erkennbar sein. Schon die Lage des Drehwerks, die Form des Auslegers, die Laufkatze und die Abspannung verraten viel über die Konstruktion und Arbeitsweise des Krans.
Mobile Turmdrehkrane und Mobilbaukrane
Ein mobiler Turmdrehkran verbindet das Arbeitsprinzip eines Turmdrehkrans mit der Mobilität eines straßenfahrbaren Krans. Herstellerabhängig werden solche Krane auch als Mobilbaukrane bezeichnet.
Der Kran wird in zusammengefaltetem Zustand auf einem mehrachsigen Fahrgestell zum Einsatzort gefahren. Dort wird er abgestützt und richtet seinen Turm sowie den gefalteten Gitterausleger mithilfe eigener hydraulischer Einrichtungen auf. Ein zusätzlicher Montagekran ist dafür nicht erforderlich.
Im Arbeitsbetrieb besitzt er die typische Geometrie eines Turmdrehkrans: einen aufgerichteten Turm, einen weitgehend waagerechten oder steilstellbaren Laufkatzausleger und einen Lasthaken, dessen Ausladung durch das Verfahren der Laufkatze verändert wird.
Damit unterscheidet er sich von einem klassischen Teleskop-Mobilkran. Bei diesem wird die Ausladung hauptsächlich durch das Aufrichten und Teleskopieren des Auslegers verändert. Beim mobilen Turmdrehkran geschieht dies während der Kranarbeit in erster Linie über die Laufkatze.
Spierings bezeichnet diese Bauart als mobilen Turmdrehkran. Liebherr verwendet für seine MK-Modelle, beispielsweise den MK 88, die Bezeichnung Mobilbaukran. In der Praxis sind außerdem Begriffe wie Faltkran und Taxikran gebräuchlich.
„Faltkran“ beschreibt anschaulich den Transport- und Aufbauzustand, ist aber keine eindeutige technische Bezeichnung. Auch andere Schnellmontagekrane können faltbare Turm- und Auslegersysteme besitzen. „Taxikran“ verweist darauf, dass der Kran vollständig gerüstet zum Einsatz fährt, sich innerhalb kurzer Zeit aufbaut und anschließend zu einem weiteren Auftrag fahren kann.
Mobile Turmdrehkrane eignen sich besonders für kurze Einsätze an wechselnden Standorten. Sie können nahe an Gebäuden aufgestellt werden, über Störkanten hinweg arbeiten und mit ihrem langen Laufkatzausleger große Flächen abdecken. Typische Aufgaben sind Dach- und Fassadenarbeiten, das Einheben von Fertigteilen sowie die Montage von Klima-, Lüftungs- oder Solaranlagen.
Was ist ein Kletterkran?
Ein Kletterkran ist ein Turmdrehkran, dessen Höhe während des Baufortschritts vergrößert werden kann. Mithilfe einer Klettereinrichtung wird ein Teil des Krans angehoben, sodass zusätzliche Turmstücke eingesetzt oder der Kran auf einer höher gelegenen Konstruktion abgestützt werden kann.
Beim Außenklettern wächst der Kran außerhalb des Gebäudes nach oben. Abhängig von Turmhöhe und Kranberechnung kann er zusätzlich am Bauwerk verankert werden.
Beim Innenklettern steht der Kran innerhalb des entstehenden Gebäudes. Er wird während des Baufortschritts schrittweise nach oben versetzt und auf bereits hergestellten Gebäudeteilen abgestützt. Dieses Verfahren wird insbesondere beim Bau von Hochhäusern eingesetzt.
Klettereinrichtung, Turmstücke, Verankerungen und Abstützungen müssen für den jeweiligen Krantyp und den vorgesehenen Rüstzustand zugelassen und berechnet sein.
Tragfähigkeit und Lastmoment
Die maximale Tragfähigkeit eines Turmdrehkrans ist keine Last, die er über die gesamte Auslegerlänge heben kann. Häufig gilt sie nur in einem begrenzten Bereich nahe am Turm.
Mit zunehmender Ausladung wächst das Lastmoment:
Lastmoment = Last × Ausladung
Eine Last von fünf Tonnen bei zehn Metern Ausladung erzeugt rechnerisch das gleiche Lastmoment wie eine Last von einer Tonne bei 50 Metern Ausladung. Für die tatsächliche Kranarbeit sind jedoch immer die Angaben des Herstellers und das Traglastdiagramm des konkreten Krans maßgeblich.
Die an der äußersten Stellung der Laufkatze noch zulässige Last wird häufig als Spitzentraglast bezeichnet. Sie ist normalerweise wesentlich geringer als die maximale Tragfähigkeit des Krans.
Sicherheitseinrichtungen überwachen unter anderem die Last und das Lastmoment. Wird der zulässige Bereich erreicht, begrenzt die Kransteuerung diejenigen Bewegungen, die das Lastmoment weiter erhöhen würden. Dazu kann beispielsweise die Fahrt der Laufkatze nach außen gehören.
Die Lastmomentbegrenzung ist jedoch kein Ersatz für eine fachgerechte Einsatzplanung. Gewicht, Schwerpunkt und Anschlagpunkte der Last müssen vor dem Hub bekannt sein.
Warum kippt ein Turmdrehkran nicht um?
Die Standsicherheit entsteht durch das Zusammenwirken mehrerer Komponenten:
- tragfähiger und ausreichend vorbereiteter Baugrund,
- geeigneter Unterbau oder berechnetes Fundament,
- korrekte Fundamentverankerung oder Abstützung,
- vorgeschriebener Zentral- und Gegenauslegerballast,
- zulässige Turmhöhe und Auslegerkonfiguration,
- Einhaltung des Traglastdiagramms,
- Berücksichtigung der Windverhältnisse.
Entscheidend ist nicht allein das Gewicht des Ballasts. Fundament, Turm, Ausleger, Verbindungen, Abstützung und Ballastierung bilden ein vom Hersteller berechnetes Gesamtsystem. Wird nur ein Bestandteil verändert, kann dies die Standsicherheit des gesamten Krans beeinflussen.
Aufstellung und Einsatzplanung
Der Standort eines Turmdrehkrans muss bereits bei der Baustelleneinrichtung sorgfältig geplant werden. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Bereiche der Baustelle zu erreichen.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
- Tragfähigkeit und Beschaffenheit des Bodens,
- Größe und Ausführung des Fundaments oder der Abstützflächen,
- benötigte Turmhöhe und Auslegerlänge,
- Gewichte und Einbauorte der zu hebenden Lasten,
- erforderliche Sicherheitsabstände,
- Gebäude, Straßen und Nachbargrundstücke,
- Freileitungen und andere Hindernisse,
- Überschneidungen mit weiteren Kranen,
- Anlieferung, Montage und spätere Demontage,
- zulässige Windgeschwindigkeiten.
Bei mobilen Turmdrehkranen müssen zusätzlich die Zufahrt, die Achslasten des Fahrzeugs, der Platz zum Abstützen sowie der zum Aufrichten und Entfalten benötigte Raum geprüft werden.
Stehen mehrere Turmdrehkrane auf einer Baustelle, können sich ihre Arbeitsbereiche überschneiden. Dann müssen geeignete Maßnahmen verhindern, dass Ausleger, Gegenausleger, Hubseile oder Lasten miteinander kollidieren. Dazu können festgelegte Arbeitshöhen, organisatorische Regeln, Funkabsprachen oder elektronische Antikollisionssysteme gehören.
Wind und Windfreistellung
Auf einen Turmdrehkran wirken aufgrund seiner großen Flächen erhebliche Windkräfte. Das betrifft nicht nur den Kran selbst, sondern auch die gehobene Last. Großflächige Bauteile können bereits bei mäßigem Wind schwer kontrollierbar werden.
Der Kranbetrieb muss beendet werden, wenn die vom Hersteller festgelegten Windgrenzen oder die sicheren Einsatzbedingungen überschritten sind. Maßgeblich ist nicht allein ein allgemeiner Wetterbericht, sondern die tatsächliche Windwirkung am Kranstandort und auf die jeweilige Last.
Außerhalb des Betriebs wird der Kran entsprechend der Betriebsanleitung in die vorgeschriebene Außerbetriebsstellung gebracht. Bei vielen Obendrehern gehört dazu die sogenannte Windfreistellung. Dabei ist das Drehwerk nicht fest verriegelt, sodass sich der drehbare Oberteil ähnlich einer Wetterfahne nach dem Wind ausrichten kann. Dadurch werden die Windbeanspruchungen auf die Konstruktion vermindert.
Windfreistellung bedeutet nicht, dass der Kran beliebig oder ungesichert zurückgelassen wird. Haken, Laufkatze, Auslegerstellung und weitere Einrichtungen müssen in die vom Hersteller vorgesehene Position gebracht werden. Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt von Kranbauart und Betriebsanleitung ab.
Bedienung eines Turmdrehkrans
Ein Turmdrehkran kann aus einer Krankabine, von einem Steuerstand oder über eine Funkfernsteuerung bedient werden. Große Obendreher besitzen häufig eine Kabine im oberen Kranbereich. Schnellmontagekrane und mobile Turmdrehkrane werden dagegen häufig vom Boden aus ferngesteuert.
Der Kranführer muss die Last, den Transportweg und den Ablageort sicher beurteilen können. Ist keine ausreichende Sicht vorhanden, wird er durch einen Einweiser oder Anschläger unterstützt. Dafür werden festgelegte Handzeichen oder Funkverbindungen verwendet.
Das Anschlagen der Last darf nur mit geeigneten und geprüften Anschlagmitteln erfolgen. Außerdem muss vor dem Hub bekannt sein, wie schwer die Last ist, wo ihr Schwerpunkt liegt und an welchen Punkten sie sicher angeschlagen werden kann.
Prüfung und Sicherheit
Turmdrehkrane müssen ordnungsgemäß montiert beziehungsweise aufgebaut, für den vorgesehenen Einsatz geeignet und entsprechend den geltenden Vorgaben geprüft sein.
Zu den sicherheitsrelevanten Bauteilen und Einrichtungen gehören unter anderem:
- Turm, Ausleger und tragende Verbindungen,
- Drehkranz und Drehwerk,
- Hubwerk, Hubseil und Seilrollen,
- Hakenflasche und Hakenmaulsicherung,
- Laufkatze und Katzfahrwerk,
- Bremsen und Not-Halt-Einrichtungen,
- Last- und Lastmomentbegrenzung,
- Ballastierung und Rüstzustand,
- Fundament, Unterbau, Abstützung und Bodenverhältnisse,
- Zugänge, Leitern, Laufstege und Absturzsicherungen.
Der tatsächliche Aufbau muss mit der vom Hersteller freigegebenen Konfiguration übereinstimmen. Turmhöhe, Auslegerlänge, Ballastierung, Einscherung und Unterbau dürfen nicht unabhängig voneinander verändert werden.
Typische Einsatzgebiete
Turmdrehkrane werden überall dort eingesetzt, wo Lasten innerhalb eines größeren Baustellenbereichs gehoben und versetzt werden müssen. Typische Einsatzorte sind:
- Wohnungs- und Gewerbebauten,
- Hochhäuser,
- Industrieanlagen,
- Kraftwerks- und Anlagenbau,
- Brückenbaustellen,
- Infrastrukturprojekte,
- große Sanierungs- und Umbauvorhaben.
Klassische Baustellen-Turmdrehkrane bleiben meist über Wochen oder Monate an einem Standort und versorgen von dort unterschiedliche Arbeitsbereiche mit Material.
Mobile Turmdrehkrane sind dagegen für kürzere Einsätze und häufige Standortwechsel ausgelegt. Sie verbinden die große Flächenabdeckung eines Laufkatzauslegers mit der schnellen Verfügbarkeit eines straßenfahrbaren Krans.
Abgrenzung zum Teleskop-Mobilkran
Die Begriffe Turmdrehkran und Mobilkran schließen sich nicht vollständig gegenseitig aus. Ein Spierings-Kran oder Liebherr-Mobilbaukran ist straßenfahrbar und damit mobil, arbeitet am Einsatzort aber nach dem Turmdrehkranprinzip.
Die technisch sinnvollere Abgrenzung lautet daher: Turmdrehkranprinzip oder Teleskopauslegerprinzip.
Beim klassischen Teleskop-Mobilkran ist der Ausleger unmittelbar am drehbaren Oberwagen gelagert. Seine Länge und Stellung werden durch Teleskopieren und Wippen verändert.
Beim Turmdrehkran befindet sich der Ausleger dagegen am oberen Bereich eines Turms. Bei einem Laufkatzausleger wird die Ausladung hauptsächlich verändert, indem die Laufkatze auf dem Ausleger nach innen oder außen fährt.
Beide Kranarten können mobil sein. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrem konstruktiven Aufbau und in der Art, wie sie ihren Arbeitsbereich erreichen.
Kurz gesagt
Ein Turmdrehkran hebt Lasten, dreht sie um seine Turmachse und verändert ihre Entfernung zur Drehachse über eine Laufkatze oder einen wippbaren Ausleger.
Er kann fest auf einem Fundament stehen, auf Schienen fahren, als Schnellmontagekran umgesetzt werden oder als mobiler Turmdrehkran auf einem eigenen Straßenfahrgestell zum Einsatzort gelangen.
Seine Tragfähigkeit hängt wesentlich von der Ausladung und dem daraus entstehenden Lastmoment ab. Der sichere Betrieb setzt deshalb eine sorgfältige Standort- und Einsatzplanung, einen zulässigen Rüstzustand, die richtige Ballastierung beziehungsweise Abstützung und qualifiziertes Personal voraus.
Verknüpfte Begriffe
Ausladung · Lastmoment · Tragfähigkeit · Traglastdiagramm · Laufkatze · Kranführer · Anschläger · Anschlagmittel · Hakenflasche · Einscherung · Mobilkran · Mobiler Turmdrehkran · Mobilbaukran · Schnellmontagekran · Wippausleger
