Oberwagen

Oberwagen beim Mobilkran

Der Oberwagen ist der drehbare Arbeitsbereich eines Mobilkrans. Er trägt unter anderem den Teleskopausleger, das Hubwerk, das Kranführerhaus und das Gegengewicht und ist über den Drehkranz mit dem Unterwagen verbunden.
Bild: KI


Der Oberwagen ist der drehbare obere Arbeitsbereich eines Krans. Er trägt die wesentlichen Bauteile, die für das Heben, Senken und Schwenken einer Last benötigt werden. Dazu gehören – abhängig von der Kranbauart – unter anderem der Ausleger, das Hubwerk, das Kranführerhaus, die Steuerungssysteme und das Gegengewicht.

Am einfachsten lässt sich der Begriff verstehen, wenn man einen Kran zunächst in zwei große Bereiche einteilt: Unten befindet sich der tragende und bei einem Mobilkran zugleich fahrbare Unterwagen. Darüber sitzt der Oberwagen, von dem aus die eigentliche Kranarbeit ausgeführt wird. Beide Bereiche sind über den Drehkranz miteinander verbunden.

Was ist der Oberwagen?

Der Oberwagen ist der obere Teil eines Krans, der gegenüber dem Unterwagen gedreht werden kann. Er bildet den eigentlichen Arbeitsbereich des Krans. Von ihm aus werden der Ausleger bewegt, das Hubseil ein- oder ausgefahren und die Last gehoben, gesenkt oder in einen anderen Arbeitsbereich geschwenkt.

Bei einem Mobilkran befindet sich auf dem Oberwagen in der Regel auch das Kranführerhaus. Von dort aus steuert und überwacht der Kranführer den Hebevorgang. Der Oberwagen ist deshalb nicht einfach nur ein Aufbau auf dem Fahrzeug, sondern das technische Zentrum des Hebebetriebs.

Oberwagen beim Mobilkran
Mobilkran – Aufbau und Komponenten mit nummerierter Darstellung. Der Oberwagen ist in der Skizze mit Nr. 3 gekennzeichnet.| Skizze: KI

Legende: Mobilkran – Aufbau und Komponenten

1 – Fahrerhaus des Unterwagens
Kabine für die Straßenfahrt. Sie gehört zum Fahrgestell und damit zum Unterwagen des Mobilkrans.

2 – Abstützung
Seitlich ausgefahrene und hydraulisch betätigte Stütze, über die der Mobilkran ausgerichtet und während des Kranbetriebs auf dem Untergrund abgestützt wird.

3 – Oberwagen
Drehbarer oberer Arbeitsbereich des Krans. Er trägt unter anderem das Hubwerk, die Auslegerlagerung, das Kranführerhaus, die Steuerungssysteme und die Aufnahme für das Gegengewicht.

4 – Unterwagen / Fahrgestell
Tragende Fahrzeugstruktur des Mobilkrans mit Rahmen, Achsen, Rädern, Antrieb, Lenkung und Abstützungen.

5 – Kranführerhaus
Arbeitskabine auf dem Oberwagen, von der aus der Kranführer die Hub-, Senk- und Schwenkbewegungen des Krans steuert.

6 – Auslegerkopf
Oberes Ende des Teleskopauslegers mit Umlenkrollen für die Führung des Hubseils.

7 – Teleskopausleger
Mehrteiliger, hydraulisch ausfahrbarer Hauptausleger. Seine Länge und Stellung beeinflussen die erreichbare Hubhöhe und Ausladung des Krans.

8 – Hakenflasche
Bauteil des Hubwerks, das über das Hubseil und die Einscherung mit dem Kran verbunden ist und den Lasthaken trägt.

9 – Gegengewicht / Ballast
Am Oberwagen angebrachte Masse auf der dem Ausleger gegenüberliegenden Seite. Sie wirkt dem durch Ausleger und Last entstehenden Lastmoment entgegen.

Welche Bauteile gehören zum Oberwagen?

Welche Bauteile genau zum Oberwagen gehören, hängt von der Bauart und Größe des Krans ab. Bei einem typischen Teleskop-Mobilkran zählen insbesondere der Oberwagenrahmen, die Auslegerlagerung, das Hubwerk, das Kranführerhaus, das Drehwerk, die Steuerungssysteme und die Aufnahme für das Gegengewicht dazu.

Der Ausleger ist am Oberwagen gelagert und wird von dort aus aufgerichtet oder abgesenkt. Das Hubwerk bewegt über Hubseil und Hakenflasche die Last. Das Kranführerhaus enthält die Bedieneinrichtungen für den Hebebetrieb. Das Gegengewicht befindet sich auf der dem Ausleger gegenüberliegenden Seite des Oberwagens.

Auch Teile des Kranantriebs können im Oberwagen untergebracht sein. Bei manchen Mobilkranen besitzen Unterwagen und Oberwagen getrennte Motoren. Bei anderen Ausführungen versorgt ein gemeinsamer Motor sowohl den Fahrantrieb als auch die für den Kranbetrieb erforderlichen Systeme.

Oberwagen und Unterwagen: Was ist der Unterschied?

Der Unterwagen sorgt bei einem Mobilkran für die Mobilität und bildet während des Kranbetriebs die tragende Basis. Zu ihm gehören insbesondere der Fahrzeugrahmen, die Achsen, die Räder, das Fahrerhaus für die Straßenfahrt und die Abstützungen.

Der Oberwagen übernimmt dagegen die eigentlichen Kranfunktionen. Er trägt die Kranausrüstung und ermöglicht das Heben, Senken und Schwenken der Last.

Vereinfacht gesagt: Der Unterwagen bringt den Kran zum Einsatzort und trägt ihn dort. Der Oberwagen führt die Kranarbeit aus.

Trotz dieser unterschiedlichen Aufgaben bilden beide Bereiche ein gemeinsames Kransystem. Der Oberwagen könnte ohne den Unterwagen weder sicher getragen noch abgestützt werden. Der Unterwagen wiederum wäre ohne den Oberwagen lediglich ein spezielles Fahrgestell ohne eigentliche Hebefunktion.

Der Drehkranz verbindet Oberwagen und Unterwagen

Zwischen Oberwagen und Unterwagen befindet sich der Drehkranz. Er verbindet beide Baugruppen mechanisch miteinander und ermöglicht zugleich die Drehbewegung des Oberwagens.

Der Drehkranz ist dabei weit mehr als ein einfaches Drehlager. Über ihn werden auch die beim Kranbetrieb entstehenden Kräfte und Momente vom Oberwagen in den Unterwagen weitergeleitet. Dazu gehören das Gewicht des Oberwagens, das Gegengewicht, der Ausleger und die angehobene Last.

Die kontrollierte Drehbewegung wird durch das Drehwerk erzeugt. Dadurch kann der Oberwagen nach links oder rechts geschwenkt werden, ohne dass das gesamte Fahrzeug bewegt werden muss.

Warum kann sich der Oberwagen drehen?

Die Drehbarkeit des Oberwagens ermöglicht es dem Kran, eine Last aufzunehmen und anschließend in einen anderen Arbeitsbereich zu bewegen. Der Kran kann die Last beispielsweise vor dem Fahrzeug aufnehmen, seitlich schwenken und hinter dem Fahrzeug absetzen.

Viele Mobil- und Raupenkrane können ihren Oberwagen um 360 Grad drehen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Kran in jeder Richtung dieselbe Last heben darf. Die zulässige Tragfähigkeit hängt von der jeweiligen Krankonfiguration ab.

Eine wichtige Rolle spielen dabei unter anderem die Ausladung, die Auslegerlänge, die Gegengewichtsmenge, die Abstützbasis und der jeweilige Arbeitsbereich des Oberwagens gegenüber der Abstützung. Maßgeblich sind immer die Werte und Vorgaben der Traglasttabelle.

Der Schwenkbereich des Oberwagens

Beim Schwenken bewegt sich nicht nur der Ausleger. Auch das hintere Ende des Oberwagens dreht sich mit. Dort befinden sich häufig das Gegengewicht und weitere Bauteile des Kranaufbaus.

Dieser rückwärtige Bewegungsbereich wird als Schwenkradius oder Heckschwenkradius bezeichnet. Er muss bei der Kranaufstellung berücksichtigt werden. Im Schwenkbereich dürfen sich keine Hindernisse, Fahrzeuge oder Personen befinden.

Gerade auf engen Baustellen kann der Platzbedarf des Oberwagens die mögliche Kranposition wesentlich beeinflussen. Ein Kran benötigt daher nicht nur ausreichend Raum für Ausleger und Last, sondern auch für den rückwärtigen Schwenkbereich.

Das Gegengewicht am Oberwagen

Das Gegengewicht befindet sich auf der dem Ausleger gegenüberliegenden Seite des Oberwagens. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dafür häufig auch der Begriff Ballast verwendet.

Wenn eine Last am Ausleger hängt, entsteht durch ihr Gewicht und ihre Entfernung zur Drehachse ein Lastmoment. Das Gegengewicht erzeugt auf der gegenüberliegenden Seite eine Gegenwirkung. Es trägt dadurch zur Stabilität und zur möglichen Tragfähigkeit des Krans bei.

Das Gegengewicht hebt die Wirkung der Last jedoch nicht einfach vollständig auf. Es ist Bestandteil eines genau berechneten Gesamtsystems. Gleichzeitig belastet sein eigenes Gewicht den Oberwagen, den Drehkranz, den Unterwagen und die Abstützungen.

Je nach Einsatz wird der Oberwagen deshalb mit einer bestimmten Gegengewichtsmenge gerüstet. Welche Ballastierung zulässig und erforderlich ist, ergibt sich aus der vorgesehenen Krankonfiguration und der Traglasttabelle des Herstellers.

Wie verlaufen die Kräfte durch den Oberwagen?

Beim Heben einer Last entsteht ein zusammenhängender Kraftweg. Die Last wirkt zunächst auf den Lasthaken und die Hakenflasche. Über das Hubseil werden die Kräfte in den Ausleger eingeleitet.

Vom Ausleger gelangen sie über dessen Lagerung in den Oberwagenrahmen. Anschließend werden sie über den Drehkranz in den Unterwagen übertragen. Beim abgestützten Mobilkran führt der Kraftweg von dort über die Abstützungen und die Abstützplatten weiter in den Untergrund.

Der Oberwagen trägt die Last deshalb nicht unabhängig vom übrigen Kran. Er ist ein wichtiger Teil des Kraftwegs, kann seine Aufgabe aber nur im Zusammenspiel mit Drehkranz, Unterwagen, Abstützung und ausreichend tragfähigem Untergrund erfüllen.

Warum der Oberwagen nicht „schwebt“

Bei einem abgestützten Mobilkran kann optisch der Eindruck entstehen, der Oberwagen schwebe über dem Fahrgestell. Tatsächlich wird der Oberwagen jedoch weder vom Unterwagen getrennt noch gegenüber diesem angehoben.

Oberwagen und Unterwagen bleiben über den Drehkranz fest miteinander verbunden. Beim Abstützen heben die Stützzylinder den gesamten Mobilkran an. Die Räder werden dadurch entlastet und können den Kontakt zur tragenden Bodenfläche verlieren.

Der Kran steht in diesem Zustand nicht mehr hauptsächlich auf seinen Reifen und Achsen, sondern wird über die Abstützungen getragen. Der obere Kranbereich wirkt dadurch optisch vom Fahrwerk gelöst. Mechanisch bleibt der Oberwagen jedoch vollständig mit dem Unterwagen verbunden.

Ausführlich erklärt: Warum ein Mobilkran beim Abstützen seine Räder anhebt und wie sich der Kraftweg dadurch verändert, erläutert das Lexikon im Beitrag „Warum hebt ein Mobilkran beim Abstützen seine Räder an?“.

Der Oberwagen bei verschiedenen Kranarten

Das Grundprinzip eines drehbaren Oberwagens findet sich bei unterschiedlichen Kranarten. Die konstruktive Ausführung kann sich jedoch deutlich unterscheiden.

Oberwagen beim Mobilkran

Beim Mobilkran sitzt der Oberwagen auf einem mehr- oder mehrachsigen Fahrzeugunterwagen. Der Unterwagen ermöglicht die Straßenfahrt und nimmt die Abstützungen auf. Der Oberwagen trägt die für den Hebebetrieb erforderlichen Baugruppen.

Oberwagen beim Raupenkran

Bei einem Raupenkran sitzt der Oberwagen auf einem Raupenunterwagen. Er trägt unter anderem den Ausleger, die Hubwerke, das Kranführerhaus und die Gegengewichte. Auch hier ermöglicht ein Drehkranz die Schwenkbewegung gegenüber dem Fahrwerk.

Oberer drehbarer Bereich beim Turmdrehkran

Bei einem Obendreher-Turmdrehkran dreht sich der obere Kranbereich auf dem Turm. Zu ihm gehören insbesondere der Ausleger, der Gegenausleger, die Drehbühne und – abhängig von der Bauart – das Kranführerhaus.

Bei einem Untendreher dreht sich dagegen ein größerer Teil der Krankonstruktion einschließlich des Turms auf dem Unterwagen. Der Begriff Oberwagen wird deshalb vor allem bei Mobilkranen, Raupenkranen und vergleichbaren Kranbauarten verwendet.

Warum der Oberwagen für die Tragfähigkeit wichtig ist

Der Oberwagen nimmt über Ausleger, Hubwerk und Auslegerlagerung einen wesentlichen Teil der beim Heben entstehenden Kräfte auf. Auch die Gegengewichte sind mit dem Oberwagen verbunden. Seine Konstruktion ist daher für die Leistungsfähigkeit des Krans von großer Bedeutung.

Die Tragfähigkeit darf dennoch nicht allein anhand des Oberwagens beurteilt werden. Sie ergibt sich immer aus dem vollständigen Kransystem und der gewählten Konfiguration.

Entscheidend sind unter anderem die Auslegerlänge, die Ausladung, die Gegengewichtsmenge, die Abstützbasis, der Arbeitsbereich des Oberwagens und die Tragfähigkeit des Untergrunds. Die zulässigen Werte ergeben sich aus der Traglasttabelle des jeweiligen Krans.

Die Quintessenz

Der Oberwagen ist der drehbare obere Arbeitsbereich eines Krans. Er trägt unter anderem den Ausleger, das Hubwerk, das Kranführerhaus und das Gegengewicht und ist über den Drehkranz mit dem Unterwagen verbunden.

Im Oberwagen werden die wesentlichen Bewegungen des Hebebetriebs ausgeführt: Heben, Senken und Schwenken. Die dabei entstehenden Kräfte werden über den Drehkranz in den Unterwagen und von dort in die Abstützungen beziehungsweise den Untergrund weitergeleitet.

Der Oberwagen ist damit ein zentraler Bestandteil des Krans. Sicher und tragfähig arbeiten kann er jedoch nur im Zusammenspiel mit dem gesamten Kransystem.

Verknüpfte Begriffe: Unterwagen · Drehkranz · Gegengewicht · Ballast · Hauptausleger · Teleskopausleger · Auslegerkopf · Hakenflasche · Ausladung · Lastmoment · Traglasttabelle · Abstützung · Kranaufstellung