von Silvia Florentine Rybka
Selten sind sich Wirtschaft, Häfen und Gewerkschaften so einig: Der Rückgang der Investitionen in die Wasserstraßen-Infrastruktur und der geplante Personalabbau gefährden einen zentralen Verkehrsträger Deutschlands. Marcel Lohbeck, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB), brachte es in einem aktuellen LinkedIn-Post auf den Punkt:
„Wenn Wirtschaft und Gewerkschaften zusammen laut werden, ist es sehr ernst: Rückläufige Investitionen in die Infrastruktur und gefährlicher Personalabbau – die Bundesregierung riskiert den Kollaps des Systems Wasserstraße.“
Lohbeck mahnt, dass die Wasserstraße kein Relikt der Vergangenheit sei, sondern „ein zentraler Bestandteil einer nachhaltigen Verkehrswende“. Statt in den Erhalt zu investieren, werde Personal gekürzt – mit absehbaren Folgen für die klimafreundliche Logistik.
Unterstützung erhielt er umgehend aus der Branche. Andreas Grzib, Vorstand der DTG Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt eG, kommentierte:
„Ich begrüße es sehr, wenn verschiedene mit dem System Wasserstraße befasste Verbände gemeinsam Alarm schlagen. Dieser Alarm ist völlig berechtigt, ist doch die Zurverfügungstellung einer funktionierenden Infrastruktur Kernaufgabe des Staates. Das System Wasserstraße ist eine bedeutende Lebensader für unsere Industrien.“

Damit schließen sich Grzib und die DTG der gemeinsamen Erklärung von BDB, BÖB und ver.di an, die am 9. Oktober 2025 veröffentlicht wurde. In ihr fordern die Verbände den Bund auf, die geplanten Kürzungen sofort zu stoppen und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung personell wie finanziell zu stärken. Ohne ausreichendes Personal drohten nicht nur Engpässe bei Instandhaltung und Schleusenbetrieb – sondern ein flächendeckender Rückbau der Wettbewerbsfähigkeit des umweltfreundlichsten Verkehrsträgers.
Warum das wichtig ist – und ein Hinweis zum Weiterlesen
Die Versorgung mit funktionierenden Wasserwegen ist mehr als störanfällig: Sie ist strategisch essenziell für Industrie, Logistik und Klimaschutz. Wer den Wasserdrehkran, die Schleuse oder das Schleppnetz nicht mehr sicher betreiben kann, greift nicht nur in einen technischen Ablauf ein – sondern in ein Netzwerk, das Tausende Arbeitsplätze, zahlreiche Unternehmen und das Rückgrat der Binnenschifffahrt betrifft.

Wie die Wasserstraße als Transportweg für Schwerlasten gezielt gestärkt werden kann, zeigt ein Beitrag im Fachblog „Schwerlast-Talente“: Teil 2: Schwerlast via Wasserweg.
Darin erläutert Christian Miß, wie er mit der GST-Karte Wasserstraße ein digitales Werkzeug geschaffen hat, das Spediteuren hilft, geeignete Routen über den Wasserweg zu planen – und so dazu beiträgt, dieses Transportmedium langfristig zu stärken und stärker in multimodale Schwerlastlogistik einzubinden.
Marcel Lohbeck
→ Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt e.V. (BDB)
→ Setzt sich seit Jahren für eine Stärkung der Binnenlogistik und faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Straße und Schiene ein
→ Verfechter einer „Verkehrswende mit Verstand“, die den Modal Split zugunsten der Wasserstraße stabilisiert
Andreas Grzib
→ Vorstand der DTG Deutsche Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt eG
→ Vertritt die Interessen der Binnenschifferinnen und Binnenschiffer in Deutschland
→ Betonung des Wasserstraßensystems als „Lebensader der Industrie“ und „politisch gewollte, aber unterfinanzierte Infrastruktur“
Fazit
Der Ton wird ernster: Wenn selbst Wettbewerber, Häfen, Genossenschaften und Gewerkschaften mit einer Stimme sprechen, ist der Punkt erreicht, an dem Symbolpolitik nicht mehr reicht. Die Wasserstraße ist kein nostalgischer Rest – sie ist Teil der Lösung. Und Lösungen brauchen Menschen, nicht Stellenkürzungen.
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Das Titelbild zeigt den Hafen Andernach und wurde von Holger Rybka zur Verfügung gestellt

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