Ein Gastbeitrag von Thomas Gross
Die Wasserstraße bleibt das Stiefkind der Verkehrspolitik.
Am Tag der Bauindustrie wurde die Zwischenbilanz zur Umsetzung des Koalitionsvertrags von CDU, CSU und SPD durch den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie vorgestellt. Gerade der Blick auf die Wasserstraße zeigt dabei deutliche Defizite.
Während seit Jahren von Gleichbehandlung der Verkehrsträger gesprochen wird, sieht die Realität anders aus: Straßen- und Schienenprojekte erhalten politische Aufmerksamkeit und Finanzierungsperspektiven – die Wasserstraße dagegen bleibt strukturell unterfinanziert.
Selbst die aktuelle Zwischenbilanz der Bauindustrie benennt einen ungedeckten Finanzierungsbedarf von rund 3 Milliarden Euro bis 2029. Gleichzeitig wurde die Wasserstraße vom Sondervermögen ausgeschlossen.
Und tatsächlich ist die Lage vielerorts noch gravierender: Statt einer nachhaltigen Stärkung erleben wir teilweise sogar Kürzungen der Mittel.
Dabei ist die Wasserstraße:
- leistungsfähig,
- energieeffizient,
- klimafreundlich,
- systemrelevant für Industrie und Logistik,
- und unverzichtbar für resiliente Lieferketten.
Trotzdem fehlt weiterhin der politische Wille, die Infrastruktur konsequent zu ertüchtigen und langfristig zu finanzieren.
Wer ernsthaft über Verkehrswende, Klimaschutz und wirtschaftliche Resilienz spricht, darf die Wasserstraße nicht weiter ignorieren.
Es braucht endlich:
✔ verlässliche Finanzierung
✔ echte Gleichbehandlung der Verkehrsträger
✔ beschleunigte Modernisierung der Infrastruktur
✔ und eine politische Priorisierung der Wasserstraße
Die Defizite sind längst bekannt. Jetzt braucht es Umsetzung statt Lippenbekenntnisse.
Zum Autor
Thomas Gross ist Geschäftsführer der Hülskens Wasserbau GmbH & Co. KG und Diplom-Ingenieur für konstruktiven Ingenieurbau. Seit mehr als drei Jahrzehnten beschäftigt er sich mit wasserbaulicher Infrastruktur, Spezialtiefbau sowie der Planung, Modernisierung und Instandhaltung deutscher Wasserstraßen.
Nach Stationen im Spezialtiefbau und Grundbau leitet er seit 2005 Hülskens Wasserbau mit Sitz in Wesel. Darüber hinaus engagiert er sich in verschiedenen Fachgremien und Branchenorganisationen, unter anderem als Vizepräsident des Vereins für europäische Binnenschifffahrt und Wasserstraßen e.V. (VBW) sowie als Vorstandsmitglied der Schifferbörse zu Duisburg-Ruhrort e.V.
Sein Fokus liegt auf der langfristigen Sicherung leistungsfähiger Wasserstraßen als zentraler Bestandteil industrieller Logistik- und Versorgungssysteme.
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Foto: Hülskens Wasserbau

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