Tii-Scheuerle: 880 Achslinien für 23.163 Tonnen

SCHEUERLE SPMT Achslinien beim Weltrekord-Umschlag des WTIV Charybdis mit 23.163 Tonnen

Charybdis Schwertransport: 23.163 Tonnen auf 880 Achslinien

Gestoßen bin ich auf den SCHEUERLE-SPMT-Weltrekord der „Charybdis“, als ich für Arndt Richter am Adventskalender für das Forum Transportunternehmer arbeitete. Ein Projekt, das mich sofort gepackt hat, und das man sich mit etwas Abstand gerne noch einmal ansehen sollte. Der Schwertransport der Charybdis mit 23.163 Tonnen Gesamtgewicht zählt nämlich zu den technisch anspruchsvollsten Projekten seiner Art.
Und wie das manchmal so ist: Man sucht ein Türchen – und findet einen Weltrekord.

Arndt Richter von RTH Richter ist in diesem Advent immer mit so viel Herzblut dabei, dass ich beim Recherchieren plötzlich in einem ganz anderen Kosmos gelandet bin: im Reich der 23.163 Tonnen.

Und dort – Trommelwirbel – stand sie: die Charybdis, ein WTIV-Schiff, das Fagioli mithilfe von 880 (!) SCHEUERLE-SPMT-Achslinien bewegt hat.

Ein Projekt, das so groß ist, dass ich beim ersten Lesen dachte:

Das kann doch kein Schiff sein. Das ist doch ein Kontinent!

23.163 Tonnen Gesamtgewicht, bewegt auf 880 Achslinien: der Schwertransport der Charybdis.

Also habe ich bei Scheuerle direkt nachgefragt. Und ich bekam Antworten, die mich kurz einmal sprachlos gemacht haben. Kurz. Nur kurz.

23.163 Tonnen – warum diese Zahl mehr ist als ein Rekord

SCHEUERLE bestätigt:

Ja, das war wirklich ein Weltrekord. Und zwar gleich mehrere:

→ Schwerstes Gewicht auf SPMT weltweit
→ Größte Anzahl gekoppelter Achslinien weltweit
→ Schwerste Umladung auf Bargen – ebenfalls weltweit

Ich wiederhole das gerne noch einmal, damit es wirklich sitzt:

880 Achslinien. 28 Power Pack Units. 23.163 Tonnen Schiff.

Das ist die Champions League des mobilen Schwergutlogistik-Balletts.

Was macht den Schwertransport der Charybdis so außergewöhnlich?

Die „Charybdis“ ist ein Wind Turbine Installation Vessel (WTIV) – ein offshorefähiger Riese, gebaut, um Windturbinen zu installieren. Und sie ist – ganz wichtig – das erste US-WTIV, das den Anforderungen des Jones Act entspricht.

Das macht sie für den amerikanischen Offshore-Markt zu einem echten Gamechanger.

Und Fagioli? Fagioli hat bewiesen, dass man auch ein Schiff mit der Eleganz eines Pianos von A nach B bringen kann – wenn man die richtigen Module darunterstellt.


Wer ist Fagioli?
(Schwerlast-Talente – kompakte Branchensteckbriefe)
→ Name: Fagioli S.p.A.
→ Sitz: Sant’Ilario d’Enza, Italien
→ Branche: Internationale Schwergutlogistik, Schwertransport, Heavy Lifting
→ Leistungen: SPMT-Operationen, Strandjack-Heben, Megalift-Systeme, Großmontagen, industrielle Umschlags- und Installationsprojekte
→ Einsatzfelder: Offshore-Wind, Petrochemie, Öl & Gas, Energie, Hafenlogistik, Nukleartechnik, Industrieanlagen
→ Besonderheit: Einer der weltweit führenden Anwender von SPMT-Systemen – bekannt für extrem anspruchsvolle und großskalige Projekt
→ Rolle im Projekt „Charybdis“: Durchführung des 23.163-Tonnen-Umschlags auf 880 SCHEUERLE-Achslinien (Weltrekord)


Wie 880 SCHEUERLE-SPMT-Achslinien den Weltrekord möglich machten

Tii-Scheuerle hat mir eine kompakte Projektübersicht geschickt:

Projektrahmen

Von der Werft in Brownsville (Texas) wurde das WTIV zunächst an Land verfahren – vollständig auf SCHEUERLE-SPMT. Am Ufer erfolgte anschließend der entscheidende Umschlag: Die „Charybdis“ setzte mithilfe derselben SPMT-Verbände – nun mit einem kombinierten Gesamtgewicht von rund 26.900 Tonnen (Schiff + SPMT) – kontrolliert auf die drei parallel positionierten Bargen über.

→ Umschlag von der Werft auf drei Bargen
→ Insgesamt 880 SCHEUERLE-SPMT-Achslinien
→ Gefahren, gelenkt und gehoben über 28 Power Pack Units
→ Drei Verbände – deren exakte Konfiguration wurde nicht bekanntgegeben

Was bleibt offen?

Die feinen Details (z.B. in welcher Breite/Länge kombiniert) wurden nicht veröffentlicht. Das ist völlig okay – wir sprechen hier von einem technischen Verband, der sich in Dimensionen bewegt, in denen jede Schwachstelle … nun ja, einfach keine Option ist.

Warum mich das Projekt so fasziniert

Weil es zeigt, was möglich ist, wenn:

– Ingenieurskunst, Mut und Erfahrung aufeinandertreffen.
– Logistik nicht nur transportiert, sondern erschafft.
– Technologie Menschen nicht ersetzt, sondern ihnen Superkräfte verleiht.

Und es zeigt erneut:

Die SPMT-Welt ist ein eigenes Universum.

Wer glaubt, Schwerlast sei „irgendwas mit großen Sachen“ – der hat noch nie erlebt, wie ein 23.000-Tonnen-WTIV punktgenau auf Bargen gesetzt wird. Das ist Präzision auf dem Niveau einer Herzoperation – nur mit Stahl, Hydraulik und Seegang.

Der Maßstab übrigens ist ein anderer, das Prinzip bleibt gleich: Was beim Schwertransport der Charybdis im ganz Großen funktioniert, zeigt sich im Kleinen beim ECO 500 von Cometto: hohe Wendigkeit, präzise Steuerung, volle Kontrolle – auch auf engem Raum.

Und was bedeutet das für uns als Branche?

Für mich ganz klar:

→ Wir leben in einer Zeit, in der „größer“ nicht mehr genügt.
→ Wir brauchen Systeme, die komplexe Lastfälle elegant beherrschen.
→ Offshore wird in den nächsten Jahren so viele Stückzahlen erzeugen, dass solche Projekte vom Ausnahmefall zum Maßstab werden.

Und auch wenn Weltrekorde nicht jeden Tag passieren – die Messlatte ist nun offiziell verschoben.

Noch ein persönliches Wort

Ich schreibe für die Schwerlast-Talente, weil ich Momente wie diese liebe:

Wenn Menschen und Maschinen zusammen etwas schaffen, das nur funktioniert, weil jeder weiß, was er tut – vom Achslinien-Techniker bis zum Projektleiter.

Und genau deshalb landen solche Themen in „meinem“ Adventskalender, selbst wenn ich eigentlich etwas ganz anderes gesucht habe. Denn manchmal findet der Kalender eben mich.


Kurz& knapp am Schluß: Was ist der Jones Act?
(Schwerlast-Talente – kompakt erklärt)
→ Offizieller Name: Merchant Marine Act of 1920
→ Geltungsbereich: US-Binnen- und Küstenverkehr
→ Kernregel: Transporte zwischen zwei US-Häfen dürfen nur mit
→ in den USA gebauten
→ US-eigenen
→ US-beflaggten
→ und überwiegend von US-Crews betriebenen Schiffen erfolgen
→ Bedeutung für Offshore-Wind: WTIVs müssen Jones-Act-konform sein, um dauerhaft in US-Gewässern arbeiten zu dürfen
→ Besonderheit der „Charybdis“: Eines der ersten WTIVs, das diese Anforderungen vollständig erfüllt


Fotos & Dank

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Tii Scheuerle – und wie immer ein herzliches Dankeschön an alle, die solche Momente festhalten.

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