Als Schwebeballast wird eine besondere Form des Derrickballasts bezeichnet. Er kommt vor allem bei großen Raupenkranen zum Einsatz, wenn für schwere Hübe oder große Ausladungen ein besonders hohes Gegengewicht benötigt wird.
Die Ballastplatten liegen auf einer Palette hinter dem Kran. Diese Palette steht während des Hubvorgangs nicht auf einem eigenen Fahrwerk, sondern hängt am Derricksystem und wird vom Kran getragen – sie „schwebt“. Dabei können erstaunliche Dimensionen erreicht werden: Der auf den Fotos gezeigte Schwebeballast bringt nach Berechnung des Fotografen Manfred Haiduk insgesamt 332,5 Tonnen auf die Waage.

Foto: Manfred Haiduk
Wie funktioniert Schwebeballast?
Die Last am Kranhaken erzeugt ein Kippmoment nach vorn. Der Schwebeballast wirkt diesem Moment auf der gegenüberliegenden Seite entgegen. Entscheidend sind dabei nicht nur das Gewicht des Ballasts, sondern auch sein Abstand zur Drehachse des Krans: Je größer dieser Ballastradius, desto stärker ist die Gegenwirkung.
Je nach Krantyp wird die Ballastpalette über eine starre oder hydraulisch verstellbare Führung gehalten. Bei modernen Systemen kann der Ballastradius während des Einsatzes verändert werden. Dadurch lässt sich der Schwebeballast näher an den Kran heranziehen oder weiter nach außen führen. Das erleichtert das Arbeiten bei beengten Platzverhältnissen und kann die erforderliche Ballastmenge reduzieren.
Welche Ballastmenge und welcher Ballastradius zulässig sind, ergibt sich aus der jeweiligen Rüstkonfiguration und der Traglasttabelle des Krans.

Foto: Manfred Haiduk
Wie wird der Schwebeballast montiert?
Der Schwebeballast ist eine separate Ballasteinheit und wird erst beim Rüsten des Krans mit dem Derricksystem verbunden. Dazu werden die Ballastplatten auf einer Ballastpalette gestapelt und die komplette Einheit an die vorgesehene Ballastführung angeschlossen. Beim Abrüsten kann sie wieder vom Kran getrennt und für den Transport zerlegt werden.
Auf Baustellen ist deshalb gelegentlich ein scheinbar „unvollständiger“ Kran zu sehen: Die Ballastpalette steht noch am Boden oder wird gerade von einem Hilfskran angehoben. Erst nach der fachgerechten Verbindung mit dem Derricksystem kann sie ihre Funktion als Schwebeballast übernehmen.

Schwebeballast, Derrickballast oder Ballastwagen?
Die Begriffe bezeichnen nicht dasselbe:
- Derrickballast ist der Oberbegriff für Ballast, der über ein Derricksystem mit dem Kran verbunden ist.
- Schwebeballast ist eine Ausführung des Derrickballasts, bei der die Ballastpalette vom Kran getragen wird.
- Beim Ballastwagen ruht der Ballast dagegen auf einem eigenen Fahrwerk, das mit dem Kran verbunden ist und dessen Bewegungen folgt.
Quintessenz
Schwebeballast ist ein am Derricksystem hängendes Gegengewicht für besonders anspruchsvolle Kranarbeiten. Durch das Zusammenspiel aus Ballastgewicht und Ballastradius erhöht er die nutzbare Tragfähigkeit des Krans. Die Bezeichnung klingt beinahe leicht – tatsächlich können dabei jedoch mehrere Hundert Tonnen Ballast „schweben“. Seine genaue Zusammenstellung und Position müssen immer zur geplanten Last, Ausladung und Rüstkonfiguration des Krans passen.
Verknüpfte Begriffe
Derrickballast · Derrickausleger · Ballastierung · Ballast · Ballastwagen · Ballastradius · Raupenkran · Ausladung · Lastmoment · Traglasttabelle
