Krantraverse | Traverse

Krantraverse bei einem Hebevorgang im Schwerlast- und Kraneinsatz

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von HLR Lifting GmbH

Die Traverse ist Teil des Lastpfads zwischen Kranhaken, Anschlagmitteln und Last. Sie wird eingesetzt, um Kräfte kontrolliert einzuleiten, Anschlagwinkel einzuhalten und die Lastaufnahme geometrisch beherrschbar zu machen. Gerade bei komplexen Hüben mit mehreren Anschlagpunkten gehört die Traverse damit nicht „zum Zubehör“, sondern zur eigentlichen Hubplanung.


Kurzdefinition

Eine Krantraverse ist ein Lastaufnahmemittel im Hebe- und Kraneinsatz. Sie wird zwischen Kranhaken und Last eingesetzt, um Kräfte kontrolliert zu verteilen, Anschlagwinkel einzuhalten oder empfindliche beziehungsweise großflächige Lasten sicher aufzunehmen.

Rolle in der Hebetechnik

In der Praxis übernehmen Traversen weit mehr als nur „das Verbinden mit dem Kran“. Sie beeinflussen unmittelbar:

==> die Lastverteilung
==> die Belastung der Anschlagmittel
==> die Stabilität des Hubs
==> die zulässigen Anschlagwinkel
==> die Bauteilbeanspruchung an der Last
==> die verfügbare Hubhöhe unter dem Kranhaken

Gerade bei langen, empfindlichen oder asymmetrischen Lasten sind Traversen häufig zwingend erforderlich. Ohne sie würden Anschlagmittel zu steil laufen oder seitliche Kräfte in die Last eingeleitet.

Krantraverse im Schwerlasteinsatz: Die Traverse verteilt die Last auf mehrere Anschlagpunkte und hält die Anschlaggeometrie beim Hub eines großformatigen Behälters kontrollierbar. Foto: Manfred Haiduk

Abgrenzung: Anschlagmittel und Lastaufnahmemittel

Eine Krantraverse ist keine Anschlagkette, kein Schäkel und auch kein Kranbauteil im engeren Sinne.

Sie gehört zur Gruppe der Lastaufnahmemittel.

Anschlagmittel verbinden Last und Lastaufnahmemittel beziehungsweise Last und Kranhaken. Dazu zählen beispielsweise Rundschlingen, Hebebänder, Drahtseile oder Anschlagketten.

Die Traverse selbst übernimmt dagegen die konstruktive Lastaufnahme und Kraftverteilung.


Was sind eigentlich Anschlagmittel?

Als Anschlagmittel bezeichnet man die Verbindung zwischen Last und Hebezeug. Dazu gehören beispielsweise Anschlagketten, Hebebänder, Rundschlingen oder Drahtseile.

Sie übertragen die Kräfte zwischen Lastaufnahmemittel und Last beziehungsweise direkt zwischen Kranhaken und Last.

Davon zu unterscheiden sind sogenannte Lastaufnahmemittel wie Traversen, Greifer oder spezielle Hebevorrichtungen. Diese nehmen die Last konstruktiv auf und verteilen Kräfte gezielt auf mehrere Anschlagpunkte.


Bauarten von Krantraversen

In der Praxis existieren zahlreiche Bauformen. Die Übergänge sind teilweise fließend.

Balkentraverse

Balkentraverse beim Einhub eines Industrie-Moduls mit mehrsträngiger Anschlagung
Foto: PEO ACWA, Wikimedia Commons
Motiv: Hebevorgang eines Neutralisationsmoduls mit Balkentraverse und mehrsträngiger Anschlagung

Die einfachste Form der Traverse. Die Last wird über mehrere Anschlagpunkte entlang eines horizontalen Trägers aufgenommen.

Sie wird häufig eingesetzt, um Anschlagwinkel zu reduzieren oder Lasten mit mehreren Hebepunkten aufzunehmen.

Spreiztraverse

Modulare Spreiztraversen bei einem Brückenhub im Schwerlast- und Kraneinsatz
Modulare Spreiztraversen in einem mehrstufigen Hebesystem. Sie halten Anschlagwinkel kontrollierbar und verteilen Kräfte auf mehrere Anschlagpunkte. | Foto: Mit freundlicher Genehmigung von HLR Lifting GmbH

Die Spreiztraverse dient vor allem dazu, Anschlagmittel auf Abstand zu halten und seitliche Druckkräfte auf die Last zu vermeiden.

Sie kommt häufig bei empfindlichen Bauteilen oder großflächigen Komponenten zum Einsatz.

Wichtig:
Die Spreiztraverse „erreicht“ keine versteckten Anschlagpunkte. Ihre Aufgabe besteht primär darin, zulässige Geometrien und Anschlagwinkel sicherzustellen.

H-Traverse

Darstellung einer H-Traverse | Foto: Pawelpon – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7424107

Die H-Traverse ist eine spezielle Bauform der Krantraverse mit mehreren Lastaufnahme- beziehungsweise Anschlagpunkten. Durch ihre konstruktive Anordnung entsteht eine hohe Stabilität bei der Aufnahme großflächiger oder geometrisch anspruchsvoller Lasten.

Typisch ist die Verteilung der Kräfte auf mehrere Punkte innerhalb eines rechteckigen oder quadratischen Lastbildes. Dadurch lassen sich unter anderem Verwindungen, einseitige Belastungen oder Kippbewegungen reduzieren.

H-Traversen kommen häufig bei großformatigen Bauteilen zum Einsatz, beispielsweise im Stahlbau, Maschinenbau oder bei schweren Rahmenkonstruktionen.

Durch ihre Bauform ermöglichen sie zudem eine vergleichsweise kompakte Lastaufnahme unter begrenzter Hubhöhe, etwa in Hallen oder bei beengten Montagebedingungen.

Sondertraversen

Im Projektgeschäft entstehen häufig speziell berechnete Sondertraversen.

Diese werden exakt auf Last, Schwerpunkt, Anschlagpunkte und Transport- beziehungsweise Montageabläufe abgestimmt.

Teilweise entstehen komplette Hebesysteme mit:

==> mehrfachen Traversenebenen
==> hydraulischen Ausgleichssystemen
==> verstellbaren Anschlagpunkten
==> integrierter Lastmesstechnik

Technische Aspekte

Bei Traversen spielen mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle:

==> Eigengewicht der Traverse
==> zulässige Tragfähigkeit (WLL)
==> Anschlagwinkel
==> Lastschwerpunkt
==> Biegemomente
==> Torsionskräfte
==> dynamische Belastungen
==> verfügbare Hubhöhe

Gerade im Schwerlastbereich entsteht schnell eine Situation, in der die Traverse selbst mehrere Tonnen Eigengewicht mitbringt.

Dieses Gewicht muss vollständig in die Kranberechnung einfließen.

Sicherheit im Einsatz

Traversen gehören zu den sicherheitsrelevanten Lastaufnahmemitteln im Hebebetrieb.

Eine fehlerhafte Auswahl oder beschädigte Traverse kann zu schweren Unfällen führen.

Zu den grundlegenden Sicherheitsanforderungen gehören:

==> eindeutige Kennzeichnung der Tragfähigkeit
==> Herstellerkennzeichnung und Typenschild
==> CE-Kennzeichnung
==> regelmäßige Prüfung
==> Sichtprüfung vor Einsatz
==> Dokumentation von Schäden oder Reparaturen
==> Verwendung innerhalb der vorgesehenen Belastungsgrenzen

Besonders kritisch sind:

==> unzulässige Schrägzüge
==> asymmetrische Lastaufnahme
==> nicht berücksichtigte dynamische Belastungen
==> beschädigte Anschlagpunkte
==> Eigenkonstruktionen ohne Nachweis

Für Lastaufnahmemittel gelten in Deutschland unter anderem die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung sowie DGUV-Regelwerke und technische Normen.

Quellen und technische Grundlagen:

1. DGUV Regel 109-017 „Betreiben von Lastaufnahmeeinrichtungen im Hebezeugbetrieb“
DGUV Regelwerk

2. DGUV Information 209-013 „Anschläger“
DGUV Information Anschläger

3. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
Betriebssicherheitsverordnung

4. DIN EN 13155 „Lose Lastaufnahmemittel“
DIN EN 13155 Übersicht

Rolle im Projektgeschäft

Typische Einsatzbereiche reichen vom klassischen Stahlbau und Maschinenbau bis in den Schwerlast- und Projekteinsatz.

Dort kommen allerdings häufig keine einfachen Standardtraversen mehr zum Einsatz, sondern individuell ausgelegte Lastaufnahmesysteme. Gerade bei großformatigen oder geometrisch anspruchsvollen Lasten werden Traversen exakt auf Schwerpunkt, Anschlagpunkte, Bauteilgeometrie und Hebeablauf abgestimmt.

Das betrifft beispielsweise schwere Behälter, Industriekomponenten oder komplexe Infrastrukturbauteile.

Auch im Umfeld von Transformatoren oder Windkraft-Komponenten arbeiten Unternehmen häufig mit speziell berechneten Hebesystemen, mehrteiligen Traversenlösungen oder kombinierten Lastverteilungssystemen. Die Übergänge zwischen „klassischer Traverse“ und projektspezifischem Hebesystem sind dabei teilweise fließend.

Entscheidend ist:
Die Traverse wird dabei als wesentlicher Bestandteil der gesamten Hubplanung eingesetzt.

Krantraverse beim Hub eines großformatigen Behälters. Die Traverse verteilt die Last auf mehrere Anschlagpunkte und definiert die Anschlaggeometrie. Foto: Manfred Haiduk

Typische Aussagen

„Die Traverse verteilt die Last automatisch gleichmäßig.“

Nicht zwangsläufig. Die tatsächliche Lastverteilung hängt unter anderem von Schwerpunkt, Anschlagpunkten, Geometrie und Anschlagwinkeln ab.

„Wenn die Tragfähigkeit passt, passt auch der Hub.“

Die reine Tragfähigkeit der Traverse ist nur ein Teil der Betrachtung. Ebenso relevant sind beispielsweise Lastschwerpunkt, Anschlagwinkel, Eigengewicht, Kranlasten und die zulässige Belastung der Anschlagpunkte.


Verknüpfte Begriffe

Anschlagmittel
Lastaufnahmemittel
Spreiztraverse
Schäkel
Rundschlinge
Hebeband
Kranhaken
Ladungsschwerpunkt
Lastverteilung
Mobilkran
Raupenkran