Hüffermann Krandienst insolvent – was steckt dahinter?

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Gesellschaft: Hüffermann Krandienst GmbH, Wildeshausen
Status: Vorläufige Insolvenzverwaltung (seit 23.09.2025)
Gericht: Amtsgericht Delmenhorst
Vorläufiger Verwalter: Tim Beyer (GÖRG)

Gleich vier Nachrichten und mehrere Mails erreichten mich am 23. September: Hüffermann ist insolvent.

Das Amtsgericht Delmenhorst bestellte den Sanierungsexperten Tim Beyer (GÖRG) zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Betrieb läuft weiter, ein vorläufiger Gläubigerausschuss (Volkswagen Leasing, Bundesagentur für Arbeit, Volksbank Oldenburg-Land Delmenhorst, FLuctis IT) ist eingesetzt. Ziel ist die gerichtliche Reorganisation.

Wachstum & Investitionen
2019–2023: Expansion durch Übernahmen (Eisele GmbH, Thömen-Gruppe, Knaack GmbH)
2021–2024: Investitionen von 222 Mio. € in Liebherr-Krane (Mobil-, Raupen- & Turmdrehkrane)
Turmdrehkrane: Aufbau eines Pools von rund 250 Einheiten
Mitarbeitende: Gruppe > 800, davon Hüffermann selbst > 200

Wie passt das zur Investitionsoffensive?

Die Investitionsstrategie war beeindruckend: allein 70 neue Turmdrehkrane für den Mietpark, mehrere Großkrane wie der Liebherr LR 11000 und eine Partnerschaft mit Liebherr im TDK-Segment. Gleichzeitig expandierte Hüffermann über Zukäufe: 2021 Eisele GmbH, 2022 Thömen-Gruppe, 2023 Knaack GmbH.

Doch diese rasante Expansion brachte enorme Kapitalbindung und Fixkosten mit sich – ein Risiko in einem volatilen Marktumfeld.

Exporte, Stopps und Marktumfeld

Neben internen Faktoren belasteten äußere Rahmenbedingungen. In der Branche wird von einem faktischen Export-Stop gesprochen: Einschränkungen im Handel erschweren die Ausfuhr von Kranmodulen und Baumaschinen. Zwar sind Zölle auf Stahl und Aluminium (25–50 %) offiziell belegt, ein genereller Export-Stopp für Krane jedoch nicht.

Fakt ist: Die Kranbranche steht unter Druck – steigende Materialkosten, Projektverschiebungen und internationale Handelsschranken treffen Anbieter empfindlich. Liebherr investiert zwar weiter in Ehingen, doch die Lasten im Markt sind spürbar.

Stimmen aus der Branche

  • Unternehmen/Verwalter: Ziel sei eine „nachhaltige Konsolidierung“ bei laufendem Betrieb.
  • Lokalpresse: Hunderte Beschäftigte betroffen, Investitionen der letzten drei Jahre hervorgehoben.
  • Hersteller: Liebherr betont die enge Partnerschaft und die moderne Flotte bei Hüffermann.

Verbundene Unternehmen

Für Autodienst West, Eisele GmbH, Thömen, Knaack, velsycon und Next Generation Personalservice gibt es derzeit keine amtlichen Insolvenzbekanntmachungen (Stand 24.09.2025).

FAZIT

Liquidität geht vor Rentabilität

… sagte schon mein BWL-Prof.

Für Hüffermann bedeutet das: Erst einmal Luft verschaffen. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt über das Insolvenzausfallgeld bis zu drei Monate die Gehälter der Mitarbeitenden. Dieser Kostenblock wird dem Unternehmen also vorerst abgenommen, und ebnet den Weg für eine mögliche übertragende Sanierung.

Vorsichtige Einschätzung & Ausblick

Die Insolvenz von Hüffermann fällt nicht aus dem Himmel: Die Kombination aus hoher Kapitalbindung, Wettbewerbsdruck, weltpolitischer Unsicherheit – und möglicherweise restriktiveren Exportbedingungen – hat das Geschäftsmodell in Schieflage gebracht. Ob die angekündigte Reorganisation gelingt, hängt von Verhandlungen mit Gläubigern, Auftraggebern und Zulieferern ab.


Was ist eine übertragende Sanierung?

Unter einer übertragenden Sanierung versteht man die Fortführung des Unternehmens in einer neuen Rechtseinheit, während das insolvente „Alt-Unternehmen“ abgewickelt wird.

Kernpunkte:

  • Übertragung von Aufträgen, Maschinen, Markenrechten und Mitarbeitenden auf eine neue Gesellschaft
  • Altverbindlichkeiten verbleiben in der insolventen Hülle
  • Vorteil: Der Betrieb kann nahtlos weiterlaufen, Arbeitsplätze bleiben erhalten
  • Üblich ist ein Verkauf an einen Investor oder eine Auffanggesellschaft der bisherigen Eigentümer

Werbung wegen Nennung und Verlinkung von Marken und Namen

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