Portrait: GENOSK

Was machen der Schwerlast-Spediteur oder das Kranunternehmen, wenn es um Genehmigungen geht, und man evtl gar nicht die nötige Kapazität hat? Die Profis für das Genehmigungswesen hängen schließlich nicht am Baum zur gefälligen Mitnahme. Wie das so ist, wenn Frau sich mit einem solchen Thema beschäftigt, springt dich ein Name an: GENOSK.

Und so haben Constanze Muschter, Vorständin bei der GENOSK, und ich miteinander gesprochen. Ich habe sie nämlich einfach angefunkt, um zu erfahren, was es denn mit der

Genossenschaft für Schwertransporte und Kranarbeiten

auf sich hat.

Die geschäftsführenden Vorstände: Constanze Muschter, Philipp Singer und Christoph Mühlbauer

Verständlicher wird diese Gesellschaftsform und die Idee, die dahintersteht, wenn man weiß, was eine Genossenschaft ist, und wie diese funktioniert. So schön wie Wikipedia kann ich das garnicht erklären, weshalb ich dieses hier zitiere:

Genossenschaft oder Kooperative (von Kooperation) bezeichnet einen Zusammenschluss oder Verband von Personen (natürlichen oder juristischen) zu Zwecken der Erwerbstätigkeit oder der wirtschaftlichen oder sozialen Förderung der Mitglieder durch gemeinschaftlichen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Eine genossenschaftliche Kooperation bietet sich immer dann an, wenn das Verfolgen eines wirtschaftlichen Ziels die Leistungsfähigkeit des Einzelnen übersteigt, zugleich aber die selbständige Existenz gewahrt werden soll.[1] Anders als bei Kapitalgesellschaften (AG, GmbH) hängt die Geschäftspolitik nicht von den Interessen außenstehender Investoren ab, sondern wird allein von den Belangen der Mitglieder bestimmt.[2] Bei einer Genossenschaft handelt es sich um eine Gesellschaft (juristische Person) des privaten Rechts.

In Deutschland ist die Rechtsgrundlage das Genossenschaftsgesetz (GenG). Jede Genossenschaft muss Mitglied eines Prüfungsverbandes sein, welcher in regelmäßigen Abständen die Wirtschaftlichkeit und Rechtmäßigkeit der Mitgliedsunternehmen überprüft. Aufgrund dieser Prüfungen und den demokratisch gewählten Leitungsorganen sind Genossenschaften die Unternehmensform mit der niedrigsten Insolvenzquote in Deutschland.[3]

Historisch werden Genossenschaften oftmals mit den Begriffen Gilde oder Zunft beschrieben. Die moderne Genossenschaftsstruktur geht auf die Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch zurück, welche Mitte des 19. Jahrhunderts erste Kredit- bzw. Einkaufsgenossenschaften gründeten. Die Genossenschaft ist seit Einführung der Europäischen Genossenschaft nicht mehr nur auf wirtschaftliche Aktivitäten beschränkt. In Deutschland existieren insgesamt knapp 8000 Genossenschaften.[4]
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Genossenschaft

Die drei Säulen
Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung
bilden die Grundlagen von Genossenschaften.

Basierend auf dieser Erläuterung ist es aus Sicht vieler Marktteilnehmer ein praktikabler Ansatz, dass für das Genehmigungswesen eine solche Zweckgemeinschaft gegründet wurde. Die GENOSK wurde im August 2021 bereits 25 Jahre alt; allerdings ist sie für den Rest Deutschlands außer Bayern, theoretisch gar nicht zuständig. Denn: Die GENOSK ist der offizielle „Verwaltungshelfer des Freistaates Bayern im Bereich des Erlaubnis- und Genehmigungsverfahrens für Großraum- und Schwertransporte“.

Die GENOSK übernimmt im Genehmigungsprozess zentrale Aufgaben, insbesondere bei der Vorbereitung und Koordination von Schwertransporten. Ziel ist es, Abläufe zu strukturieren und Verfahren zu beschleunigen.

Die finale Entscheidung über die Genehmigung verbleibt jedoch stets bei der zuständigen Behörde.

Wie dieses Zusammenspiel in der Praxis funktioniert, wird in der Branche unterschiedlich bewertet. In vielen Fällen wird das Verfahren als effizienter wahrgenommen, gleichzeitig gibt es Stimmen, die auf Herausforderungen im Detail hinweisen.

Schaut man einmal in die Liste der Genossen, dann sieht man: Von KÜBLER und KAHL Schwerlast über P. Schwandner Logistik & Transport sowie SCHOLPP Kran & Transport bis hin zu LIEBHERR und Gustav Seeland in Hamburg – das ist ein breites Spektrum. Die auch nicht alle in Bayern ansässig, sondern quer in der Republik verteilt sind. Der Vorteil ist, so Constanze Muschter, dass die Strecken in Bayern mit einem Verwaltungshelfer GENOSK deutlich zügiger vorangehen als im Rest dieses unseres Landes mit dem schönen Amtsschimmel. Der übrigens deshalb so kräftig und gesund ist, weil er immer gut gefüttert wird. Allerdings will man auch die Amtsschimmel in anderen Bundesländern ein wenig flotter machen, und strebt deshalb eine bundesweite Ausdehnung an.

Der Genossenschaftsgedanke „Ein Unternehmen – eine Stimme“ ist die Basis für ein faires Miteinander, auch in der Diskussion auf einer sog. „Generalversammlung“. Ein Unternehmen LIEBHERR hat genau so nur eine Stimme, wie es z.B. ein kleines Familienunternehmen wie MG-Transporte aus Mülsen bei Zwickau hat.

Seit 1997 ist man als Verwaltungshelfer dabei, und inzwischen für 20 Behörden im Bundesland aktiv. Das GENOSK-Team besteht aus 15 Personen, inkl. einer Auszubildenden – der ersten überhaupt, wie Constanze Muschter sagt. Das Team ist bunt gemischt, und kommt u.a. aus der öffentlichen Verwaltung, und hat z.T. eine kaufmännische Ausbildung. Die Einarbeitung dauert schon, nämlich gute 6 Monate. Da kommt der Vorteil der GENOSK zum Tragen, weil nämlich das Team die Verwaltungsabläufe und –Wege kennt:

„Wir führen durch den Behörden-Dschungel“

So sagt Constanze Muschter in einem Nebensatz: „Es wird viel gemeckert über das Genehmigungsverfahren – aber nicht in Bayern. Einmal im Jahr treffen sich alle Genehmigungsbehörden, es findet ein Austausch statt. Wir sind immer dabei. Einmal haben wir das Treffen sogar ausgerichtet.“ In diesem Jahr, so Christoph Mühlbauer, darf die GENOSK dieses Treffen wieder ausrichten, und alle sind schon gespannt auf ein Wiedersehen, vor allem aber auf den Erfahrungsaustausch.

„Wir sind das Bindeglied zwischen Behörde und Unternehmen.“

Die Kundschaft ist bunt: Vom Autoscooter-Schausteller über den Windflügel-Transporteur bis hin zum Baumaschinen-Transport-Unternehmen oder einem Profi für Trafo-Transporte ist alles dabei.

Der bis dato größte Transport: Länge 77,85 m/Breite 5,50 m/Höhe 5,50 m/Gewicht 419,86 to

Das Genehmigungswesen ist übrigens der größte Geschäftsbereich. Hinzu kommt der Seminarbereich mit branchenspezifischen Seminaren und Qualifikationsschulungen, aber auch zu den Themen Personal & Führung (das Schwierigste im Unternehmerleben!) sowie Vertragswesen und Technik gibt es ein rundes Angebot.

So kann man u.a. seine Dispo-Mitarbeiter mit „Technische Grundlagen für Disponenten“ beglücken, aber auch die Zusatzqualifikation zum „Geprüften Fahrzeugkranführer (IHK)“ wird angeboten. Auch das Thema „LaSi“ (Ladungssicherung) ist nicht unerheblich, und ist im Angebot. Ob allerdings eine korrekte Ladungssicherung einen Transformator von 220 Tonnen hält, wenn dieser sich erst einmal auf dem Weg nach unten befindet, das möchte ich mal dahingestellt lassen.

Über den Link www.schwergut-online.de ist die lizensierte Online-Datenbank zu erreichen, welche mit allen Gesetzen, Richtlinien und Vorschriften rund um den GST immer aktuell und griffbereit ist ==> gebündeltes Wissen rund um das gesamte Genehmigungswesen.

Die Leistungen der GENOSK
können auch von Nicht-Mitgliedern in Anspruch genommen werden!

Viele Unternehmen haben in ihrer Bilanz eine Position „Immaterielle Vermögenswerte“. Dazu gehören u.a. auch Genossenschaftsanteile. Das kennt man ja, wenn man sein Konto bei einer Volks- und Raiffeisenbank hat. Dem entsprechend zahlt auch die GENOSK in der Regel einmal jährlich eine Dividende an die Genossen aus, denn es geht ja nicht um die Gewinnerzielungsabsicht als Grundsatz. Wobei es natürlich schön ist, wenn dann ein Kickback in Form einer kleinen Dividende kommt.

Auf die Datenbank weise ich unbedingt hin: Hier kann der geneigte Schwergut-Unternehmer auf einen Pool von Begleitfahrzeug-Unternehmen zurückgreifen. Und: Die Homepage ist klar gegliedert, und bietet einige gute Downloads an: AGBs, Anträge, Formulare – und das Schwergut-Wiki: KLICK.

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