Großraumtransport

Großraumtransport mit Begleitfahrzeugen bei nächtlicher Fahrt durch einen Kreuzungsbereich

Kurzdefinition

Ein Großraumtransport ist ein Transport, dessen Abmessungen die gesetzlich zulässigen Fahrzeugmaße überschreiten, ohne dass zwingend ein besonders hohes Gewicht vorliegen muss. Typisch sind überbreite, überlange oder überhohe Ladungen wie Windkraftflügel, Stahlbauteile, Fertigmodule oder große Maschinenkomponenten.


Großraumtransporte dürfen in Deutschland nur mit entsprechender Genehmigung durchgeführt werden. Hinzu kommen Streckenprüfungen, Transportbegleitung und umfangreiche Abstimmungen mit Behörden und Infrastrukturbetreibern.

Abgrenzung: Großraumtransport oder Schwertransport?

Im Alltag werden beide Begriffe oft gemeinsam verwendet: Großraum- und Schwertransport. Technisch beschreiben sie jedoch unterschiedliche Dinge.

Großraumtransport
bezieht sich auf die Abmessungen der Ladung oder Fahrzeugkombination.

Schwertransport
bezieht sich auf das Gewicht beziehungsweise die Achslasten.

Ein Transport kann nur groß sein, etwa ein sehr langer Windkraftflügel mit vergleichsweise geringem Gewicht. Er kann nur schwer sein, etwa eine kompakte Industriekomponente mit hoher Masse. Oder er kann beides gleichzeitig sein.

Deshalb lautet die offizielle Behördenbezeichnung: Großraum- und Schwertransport, kurz GST.

Wann gilt ein Transport als Großraumtransport?

Die gesetzlichen Grenzen ergeben sich insbesondere aus der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung, kurz StVZO.

Zulässige Standardabmessungen im öffentlichen Straßenverkehr

  • Breite: maximal 2,55 m
  • Höhe: maximal 4,00 m
  • Länge: je nach Fahrzeugkombination maximal 16,50 m beziehungsweise 18,75 m

Werden diese Maße überschritten, darf der Transport nur mit entsprechender Genehmigung durchgeführt werden.

Typische Großraumtransporte

Großraumtransporte finden in Deutschland überwiegend nachts statt, meist ab etwa 22:00 Uhr, um Verkehrsbehinderungen möglichst gering zu halten.

Typische Beispiele sind:

  • Windkraftflügel
  • Betonfertigteile
  • Brückensegmente
  • Stahlbauteile
  • Behälter und Tanks
  • Transformatoren
  • große Baumaschinen
  • Anlagen- und Maschinenmodule

Je größer die Ladung, desto wichtiger werden Kurvenradien, Kreisverkehre, Engstellen, Baustellen, Ampelanlagen und Brückenhöhen.

Genehmigungen und Streckenprüfung

Großraumtransporte erfordern Genehmigungen nach den einschlägigen Vorschriften der StVO sowie teilweise zusätzliche Ausnahmen nach StVZO.

Dazu gehören insbesondere:

  • Erlaubnisse nach § 29 Abs. 3 StVO
  • Ausnahmen nach § 46 StVO
  • teilweise zusätzliche Ausnahmegenehmigungen nach StVZO

Zusätzlich erforderlich sind:

  • eine Streckenprüfung
  • eine exakte Routenplanung
  • Abstimmungen mit Behörden und Infrastrukturbetreibern
  • temporäre Verkehrsmaßnahmen oder Halteverbote

In Deutschland erfolgt die digitale Antragstellung für Großraum- und Schwertransporte über das System VEMAGS.

Wie aufwendig ein Transport wird, entscheidet oft weniger das Gewicht als vielmehr die Geometrie der Ladung. Ein langer Transport kann Kreuzungen blockieren oder große Ausschwenkbereiche benötigen.

Transportbegleitung bei Großraumtransporten

Je nach Abmessung und Genehmigungsauflage sind Begleitfahrzeuge vorgeschrieben.

Dabei kommen unter anderem zum Einsatz:

  • BF2-Begleitung
  • BF3-Begleitung
  • BF4-Fahrzeuge
  • Beliehener
  • Polizeibegleitung

Die Anforderungen richten sich nach Transportgröße, Strecke und behördlichen Auflagen.

Rolle im Projektgeschäft

Großraumtransporte sind ein zentraler Bestandteil der Projektlogistik. Besonders im Bereich Energie, Industrieanlagenbau, Transformatorenlogistik, Brückenbau, Windkraft und Großkranmontagen gehören sie zum operativen Alltag.

Dabei greifen Fahrzeugtechnik, Genehmigungswesen, Infrastrukturprüfung und Transportbegleitung eng ineinander.

Typische Aussagen

„Großraumtransport heißt automatisch Schwertransport.“
Nein. Viele Großraumtransporte sind vor allem lang oder breit, aber vergleichsweise leicht.

„Das fährt man einfach nachts durch.“
Hinter vielen Transporten stehen tagelange Planung, Streckenprüfungen, Genehmigungen und Abstimmungen mit Behörden.

„Die Polizei fährt immer mit.“
Heute übernehmen spezialisierte Begleitunternehmen große Teile der Absicherung.


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