Alles klar, Herr Kommissar?

Da stellte ich mir doch erst einmal die Frage: Was sind denn die Aufgaben eines Havariekommissars? Ich habe Dr. Wiki konsultiert, und fasse zusammen 😉

Der Begriff des Havariekommissars, im englischen ist es der Surveyor, ist KEINE gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung. Der Havariekommissar ist im eigentlich Sinn ein Sachverständiger für Transport- und Güterschäden.

Zitat Wikipedia:

Havariekommissar ist ein neutraler Spezialist im Dienste der Versicherungswirtschaft, des Handels sowie der Lager- und Transportmitteleigentümer.“

„Seine Aufgabe ist es, bei behaupteten oder tatsächlichen Mängeln den Schaden an Gütern und Sachen zu bewerten und ihn dem Grunde und der Höhe nach festzustellen. Der Einsatz erfolgt überwiegend durch Versicherer, Transportversicherer und Versicherungsmakler, die Eigentümer der Transportmittel oder transportierten Werte, im Schiffsverkehr von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung – im Flugverkehr von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung – aber auch durch die Frachtführer selbst.

Der Sachverstand bezieht sich auf die zu begutachtenden Werte. Es ist nicht unüblich, im Schiffsverkehr Kapitäne a. D. in der Luftfahrt Piloten a. D. als Sachverständige einzusetzen oder bei sonstigen Transporten oder Lagerschäden Spezialisten aus den Branchen der beschädigten Güterarten zu beauftragen (Maschinenbau, Nahrungsmittel, Kunstgegenstände etc.). Bei Transportschäden tritt die Detailkenntnis zum Beispiel spezieller Maschinen- oder Anlagefunktionen hinter einer umfassenden Kenntnis der Transportgefahren für diese Güter, der Schadbildausprägung und der Bewertung der Gesamtumstände des Schadensfalles zurück.

Der Havariekommissar ist für eine differenzierte Dokumentation des Schadensbildes, des Schadenumfangs und seiner wahrscheinlichen Ursache sowie zur Unterstützung der Schadensminderung und ggf. Bergung des Ladegutes zuständig. Sein Wissen ist gefragt, um in Kenntnis denkbarer Gefahren für die Ladung schon im Vorwege die Entstehung von Schäden durch Beratung der Beteiligten zu vermeiden (englisch: Loss Prevention). Sein Havariebericht (Schadensgutachten) ist häufig das entscheidende Dokument zur Ermittlung von Leistungs- oder Schadenersatzpflichten, ersetzt aber nicht die Dispache eines amtlich bestellten Dispacheurs.“

Seid froh, dass wir hier sozusagen ein kleines schriftliches Interview führen! Matthias Neumeier ist nämlich ein Bayer, aber ein richtig urrrrechter Bayer. Wenn wir telefonieren, muss ich mich ungeheuer konzentrieren… Ergo:Bayrisch ist Bayrisch, und Deutsch ist Deutsch. Mal gut, dass die Bayern in der Schule zumindest das Schriftdeutsch lernen *lach*

Foto Matthias Neumeier himself, sozusagen „at work“ 🙂

Frage: Matthias, wie wird man eigentlich Havariekommissar? In deiner Vita habe ich gelesen, du bist Betriebswirt…

Matthias: Havariekommissar ist kein geschützter Begriff. Wenn du also lustig bist, morgen ein Havariekommissariat zu eröffnen, dann wird dir keiner Steine in den Weg legen. Ob du Aufträge bekommst ist eine andere Geschichte.

Wie wurde ich als Betriebswirt Havariekommissar…? Das ist eine etwas längere Geschichte. Ich hab mich nie als klassichen Betriebswirt gesehen, daher hab ich schon im Studium so Exotenfächer wie Instandhaltungsplanung belegt. Nach dem Studium, das ich doch sehr spät begonnen hatte, bin ich 2008 für ein paar Monate nach Wales, und hab bei einem Spezialmaschinenbauer ein Praktikum gemacht. Der Job war gut, die Leute haben gepasst und Wales hat mir super gefallen. Das war der Plan, im Herbst 2008 zurück nach Wales zu gehen. Doch dann kam Lehman und damit die Bankenkrise. Leider hatten die Kunden meines zukünftigen Chefs ihre Aufträge zurückgezogen, so dass auch mein Job zurückstehen musste.

Frage: Wie ging es denn dann bei dir weiter? Wie kommt denn jetzt der Havariekommissar ins Spiel?

Matthias: Der Zufall wollte es dann, dass ein Anwalt, den ich noch aus Studienzeiten kannte, einen Mandanten hatte, der sein Kfz-Sachverständigenbüro, mit dem er auch Havarieschäden bedient hatte, eben um diesem Bereich aufstocken wollte. Die beiden haben sich unterhalten, und sind auf mich gekommen: SO wurde ich offziell Havariekommissar. Mein Arbeitgeber hat mich natürlich auf Schulungen geschickt, so dass ich das Grundwerkzeug hatte.

Aber: Es ist heute noch so, dass die Arbeit als Havariekommissar einer kontinuierlichen Weiterbildung bedarf. Sei es, dass man EU-Verordungen kennen muss, oder die neueste Generation von Kühlmaschinen kennt. Kühlgeführte Transporte und Lebensmittel sind meine ureigenste Spezialität, sind halt mein Ding.

Frage: Du bist immer noch Havariekommissar, und für deinen jetzigen Arbeitgeber unterwegs?

Matthias: Bei meinem ersten Havarie-Kommissar- Arbeitgeber war ich dann knapp sechs Jahre. Irgendwann war dann die Luft raus, und ich hatte, nachdem ich ein Angebot von meinem heutigen Arbeitgeber erhalten hatte, in dessen Büro nach Basel gewechselt, allerdings mit allen Rechten und Pflichten eines deutschen Arbeitsvertrags. Ich bin in der Schweiz, in Deutschland, Benelux und Österreich unterwegs. Dieser Beruf ist sehr anspruchsvoll, er fordert mich sehr, und es macht Spaß, viel Spaß!

Persönliche Anmerkung der Chronistin: Matthias und ich haben eine Gemeinsamkeit, und das sind ….HÜTE. Er ist immer mit Hut unterwegs, hier bei uns im Blog dokumentiert *grins*. Und die Chronistin nennt 19 Hüte ihr Eigen, die gerne und oft getragen werden. Hüte verbinden Menschen, nicht wahr, Matthias?

***** V O R S C H A U *****

Matthias hat – natürlich – noch mehr erzählt. Und Beispiele und Fotos zur Verfügung gestellt. Teil II folgt in Kürze!

2 Gedanken zu “Alles klar, Herr Kommissar?

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