Derrick

Derrickausleger

Derricksystem im Aufbau: Der Name „Derrick“ soll auf einen englischen Henker um 1600 zurückgehen. Heute bezeichnet er in der Krantechnik ein System, in dem Ausleger, Abspannung und zusätzlicher Ballast zusammenwirken. | Foto: Manfred Heiduk


Definition

Der Begriff „Derrick“ bezeichnet eine Bauform beziehungsweise ein konstruktives Prinzip der Hebetechnik, bei dem Mast, Ausleger und Abspannung zusammenwirken. In der modernen Krantechnik begegnet uns der Name vor allem im Derrickausleger, im Derricksystem und im damit verbundenen Derrickballast.

Seinen Ursprung soll der Begriff allerdings nicht im Kranbau haben. Die Spur führt in das England um 1600 – und zu einem Henker.

Ein Henker als Namensgeber

Als Namensgeber gilt Thomas Derrick, ein englischer Henker, der zur Zeit Elisabeths I. in London tätig gewesen sein soll. Überliefert ist, dass sein Name zunächst auf den Galgen beziehungsweise auf eine von ihm verwendete Tragkonstruktion übertragen wurde.

Ob Thomas Derrick tatsächlich eine neuartige Galgenkonstruktion erfand, wie viele Menschen er hinrichtete und welche Einzelheiten seiner Biografie stimmen, lässt sich heute nicht mehr durchgehend belegen. Die sprachhistorische Verbindung zwischen seinem Namen, dem englischen Wort für eine Galgenkonstruktion und der späteren technischen Bezeichnung „Derrick“ gilt jedoch als weithin anerkannt.

Damit dürfte Thomas Derrick zu den wenigen Menschen gehören, deren Name Jahrhunderte überdauerte, ohne dass dies zwingend als Auszeichnung gedacht war.

Vom Galgen zum Hebegerät

Die ursprüngliche Konstruktion bestand vereinfacht aus einem aufragenden Tragwerk, Seilen und einer Vorrichtung zum Heben oder Absenken. Aufgrund der äußerlichen und funktionalen Ähnlichkeit wurde der Begriff später auf Hebegeräte übertragen.

Im Englischen bezeichnet „derrick“ bis heute unter anderem bestimmte Krane und Hebevorrichtungen. Auch die markanten Tragkonstruktionen über Bohrstellen werden als oil derricks bezeichnet.

In der Schifffahrt waren Derrickkrane lange Zeit typische Ladegeschirre. Sie dienten dazu, Stückgut und Schwergut zwischen Schiff und Kai zu bewegen. Je nach Bauart bestand ein solches System aus einem Mast, einem daran gelagerten Ladebaum, Abspannungen, Seilen und Winden.

Was bedeutet „Derrick“ bei modernen Großkranen?

Bei großen Gittermast- und Raupenkranen bezeichnet „Derrick“ heute meist nicht einen eigenständigen Kran, sondern ein zusätzliches System auf der Rückseite des Krans.

Sein wesentliches Bauteil ist der Derrickausleger. Dieser nach hinten gerichtete Ausleger gehört zur Abspannung des Hauptauslegers und schafft zugleich die konstruktive Verbindung zum zusätzlichen Derrickballast.

Der Derrickballast erzeugt ein Gegenmoment zu dem Lastmoment, das auf der Vorderseite des Krans wirkt. Er kann je nach Krantyp und Rüstzustand als Schwebeballast geführt oder auf einem Ballastwagen aufgenommen werden.

Das Derricksystem ermöglicht dadurch höhere Traglasten, größere Ausladungen oder besonders lange Auslegersysteme. Welche Konfiguration zulässig ist, ergibt sich immer aus den Vorgaben des Kranherstellers und der jeweiligen Traglasttabelle.

Derrick, Derrickausleger und Derrickballast

Die drei Begriffe werden im Sprachgebrauch gelegentlich durcheinandergebracht, bezeichnen aber nicht dasselbe:

  • Derrick ist der übergeordnete historische und technische Begriff für das Konstruktionsprinzip beziehungsweise das daraus entwickelte System.
  • Derrickausleger bezeichnet den nach hinten gerichteten Zusatzausleger eines entsprechend gerüsteten Krans. Er ist Bestandteil der Abspannung und des Ballastsystems.
  • Derrickballast ist der zusätzliche Ballast, der dem Derricksystem zugeordnet ist und mit einem vergleichsweise großen Abstand zur Drehachse ein hohes Gegenmoment erzeugen kann.

Kurz gesagt: Der Derrickausleger ist das Bauteil, der Derrickballast das Gegengewicht – und das Derricksystem bringt beides so zusammen, dass der Kran mit den gewaltigen Kräften kontrolliert umgehen kann.

Weiterführende Lemmata:
Derrickausleger
Derrickballast
Schwebeballast

Nicht jeder Derrick ist ein Derrickausleger

Der Begriff „Derrick“ ist älter und weiter gefasst als der moderne Derrickausleger eines Raupenkrans. Historische Derrickkrane, Ladebäume auf Schiffen, Bohrtürme und heutige Derricksysteme beruhen zwar auf verwandten konstruktiven Vorstellungen, sind aber technisch nicht gleichzusetzen.

Wer im Zusammenhang mit einem modernen Großkran vom „Derrick“ spricht, meint häufig verkürzt die gesamte rückwärtige Derrickkonfiguration. Welche Bauteile konkret dazugehören, hängt vom Hersteller, vom Krantyp und vom jeweiligen Rüstzustand ab.

Kurz zusammengefasst

Der Begriff „Derrick“ soll auf den englischen Henker Thomas Derrick zurückgehen und zunächst eine Galgenkonstruktion bezeichnet haben. Später wurde der Name auf ähnlich aufgebaute Hebegeräte übertragen.

In der modernen Krantechnik steht „Derrick“ vor allem für ein System aus Derrickausleger, Abspannung und zusätzlichem Ballast. Die Herkunft des Wortes ist düster, seine heutige Aufgabe dagegen ausgesprochen sachlich: Es hilft großen Kranen dabei, sehr schwere Lasten sicher zu beherrschen.

Quellen

Verknüpfte Begriffe

Derrickausleger · Derrickballast · Schwebeballast · Ballastwagen · Ballast · Hauptaussagen · Gittermastausleger · Raupenkran · Lastmoment · Traglasttabelle