Häfen können viel. Nur wer weiß davon?

Hafen Koblenz

Wassergebundene Schwerlastlogistik im Hafen Koblenz. Leistungsfähige Umschlagmöglichkeiten sind eine Voraussetzung – potenzielle Kunden müssen sie aber auch kennen. | Foto: Leon Ströter


Leistungsfähige Kaianlagen, Krane und Hinterlandverbindungen allein bringen noch keine Ladung. Häfen müssen auch bei den Unternehmen präsent sein, die über Transportwege und Umschlagstandorte entscheiden. Wie das funktioniert, zeigt Hafen Hamburg Marketing.

Hamburg: Marktbearbeitung seit Jahrzehnten

Beim 36. Hafenabend am 8. Oktober 2026 in Prag verabschiedete Hafen Hamburg Marketing (HHM) seinen langjährigen Repräsentanten Vladimír Doboš. Mehr als 25 Jahre hatte er die Interessen des Hamburger Hafens in Tschechien und der Slowakei vertreten.

Sein Nachfolger Petr Kryštof trat bereits im November 2025 ein und übernahm im März 2026 die Leitung. Die mehrmonatige Übergabe sicherte bestehende Kontakte und Marktkenntnisse.

Die Hamburger Hafenwirtschaft ist seit 1990 in Prag vertreten. Zu den Aufgaben gehören Kontakte zu Verladern, Speditionen, Verbänden und politischen Entscheidungsträgern, Marktanalysen und die Vermittlung von Geschäftspartnern.

2025 wurden zwischen Hamburg, Tschechien und der Slowakei rund 550.000 TEU im Hinterlandverkehr bewegt. Etwa 95 Prozent davon auf der Schiene. Mehr als 130 direkte Containerzüge verkehren wöchentlich zwischen Hamburg und den Hinterlandterminals.

Welchen Anteil die Prager Repräsentanz an diesem Transportaufkommen hat, lässt sich aus den Zahlen nicht ableiten. Sie zeigen jedoch, welches Verkehrsvolumen der Hamburger Hafen mit diesen Märkten verbindet.

Schwerlast braucht geeignete Häfen – und frühzeitige Kontakte

Für Schwergut und Projektladung gelten andere Anforderungen als im Containerverkehr. Abmessungen, Gewichte, Brückenlasten, Genehmigungsfähigkeit der Straßen, Umschlagtechnik und Binnenschiffsverbindungen bestimmen, welche Häfen für einen Transport infrage kommen.

Ein Beispiel lieferte 2021 der Hafen Kelheim. Für die Bayernoil-Raffinerie in Neustadt an der Donau wurden zwei Reaktoren mit 660 beziehungsweise 600 Tonnen Gewicht aus Italien über Rotterdam und den Main-Donau-Kanal nach Kelheim verschifft. Schmidbauer übernahm dort den Umschlag mit einem Raupenkran CC 8800-1 und den anschließenden Schwertransport über rund 30 Kilometer zur Raffinerie.

Das Projekt zeigt, wie ein Binnenhafen in eine internationale Schwerlasttransportkette eingebunden werden kann.

Damit solche Transportmöglichkeiten bereits bei der Projektplanung berücksichtigt werden, müssen Verlader und Projektspediteure die Leistungsfähigkeit der infrage kommenden Häfen kennen.

Die Häfen fliegen unter dem Radar

„Die Häfen fliegen immer noch unter dem Radar, dabei können wir so viel mehr“, sagte Giordana Sperling-Doppstadt, Vorständin der Duisburger Hafen AG (duisport), kürzlich in einem Gespräch mit dem SLT-Magazin.

Damit spricht sie ein Problem an: Vorhandene Umschlagmöglichkeiten und Hinterlandverbindungen nützen wenig, wenn potenzielle Auftraggeber sie nicht kennen.

Nicht jeder Hafen benötigt dafür eine internationale Repräsentanz. Bestehende Branchennetzwerke bieten ebenfalls Zugang zu Verladern, Projektspediteuren und Transportunternehmen.

Ein Beispiel sind die IST – Internationalen Schwerlasttage, die am 10. und 11. September 2027 erstmals in Karlsruhe stattfinden. Unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dipl.-Ing. Jochen Lüer kommen dort Unternehmen, Behörden und Fachleute aus Schwertransport, Kranwirtschaft, Anlagenbau und Projektlogistik zusammen.

Auch die Hafenwirtschaft gehört in dieses Netzwerk. Hier können Hafenbetreiber ihre Leistungen vorstellen, Kontakte aufbauen und sich über künftige Transportanforderungen informieren.

Mit der Wahrnehmung eines Hafenstandortes haben wir uns bereits im SLT-Beitrag „Der unterschätzte Hafen Duisburg“ beschäftigt.

Hafenentwicklung ist auch Marktentwicklung

Investitionen in Kaianlagen, Krane, Lagerflächen und Verkehrsanschlüsse schaffen die technischen Voraussetzungen. Für ihre wirtschaftliche Auslastung müssen jedoch entsprechende Güterströme gewonnen und gehalten werden.

Hamburg zeigt mit seiner jahrzehntelangen Präsenz in Prag, wie systematische Marktbearbeitung organisiert werden kann. Für andere Hafenstandorte können regionale Kontakte, Branchennetzwerke und der direkte Austausch mit Verladern und Projektspediteuren denselben Zweck erfüllen.

Wer Transportströme gewinnen will, muss bei den Unternehmen präsent sein, die über diese Transporte entscheiden.


Passende Begriffe im SLT-Lexikon

GST Großraum-und Schwertransport · Schwergutterminal · Barge



Quellen: Hafen Hamburg Marketing e. V., Pressemitteilung vom 12. Oktober 2026 und Informationen zu den Auslandsrepräsentanzen; Hafen Kelheim und Schmidbauer, Projektberichte zum Reaktortransport 2021; Internationale Schwerlasttage, Veranstaltungsinformationen 2027; Gespräch des SLT-Magazins mit Giordana Sperling-Doppstadt.

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