Schwerlast + Krane: Das bedeutet immer einen Einsatz mit Kompetenz. Es gibt die Experten, welche die anstehenden Projekte planen. Die Profis vor Ort, die das Geplante umsetzen. Und dann gibt es da noch jene, die dafür sorgen, dass das richtige Handwerks- und Rüstzeug da ist. Dazu gehört unter anderem HLR.
HLR heisst mit vollem Namen Heavy Lift Rental, und Alexander Maier, ein ziemlich pfiffiger und Service-orientierter Mensch, ist Head of Sales bei der HLR GmbH – Heavy Lift Rental, und hat immer ein Ohr im Markt. So ein „Zulieferer von Equipment“ ist jemand, der eher ungesehen im Hintergrund unterwegs ist, doch ohne dieses Equipment läuft nicht viel in der Schwerlast- und Kranbranche.
Alexander erzählte mir vom Hub einer Gleishilfsbrücke in Berlin-Köpenick – ein Projekt mit einigen besonderen technischen Anforderungen. Das Gesamtgewicht betrug 55 Tonnen, die Brücke war 24 m lang und 3 m breit, also fast schon Standard. Die Besonderheit allerdings:
Verdeckte Anschlagpunkte beim Brückenhub
Über einen Brückeneinhub an der Jever – ein zuvor erfolgreich gelaufenes Projekt mit Züblin – erfolgte die Empfehlung an STRABAG Rail. Züblin war so zufrieden mit dem gesamten Ablauf, dass eine Empfehlung bzgl des Equipments für den Einhub der Gleis-Behelfsbrücke erfolgte.
Die Aufgabenstellung für den Auftraggeber STRABAG Rail lautete: Die Stahlunterkonstruktion für den anschließenden Aufbau des Gleisbettes musste eingehoben werden. Dies war aufgrund des Ist- Zustandes, dass die Anschlagpunkte* nicht von oben gerade erreicht werden konnten, ein Hub der eher ungewöhnlichen Art. Denn so musste man von der Seite an diese Anschlagpunkte kommen, um die Rundschlingen dort zu befestigen.
*Für Newbies: Das ist die Öse, an der man die Schlingen oder Ketten „einfädelt“, um die Konstruktion anzuheben.
Die Beauftragung erfolgte direkt über die STRABAG Rail GmbH Segment Nord + West. Diese haben sich auf Projekte rund um die Schiene spezialisiert. Unabhängig vom ausführenden Kranunternehmen, Fröhlich Kranservice, erfolgte zuvor die Beauftragung zur technischen Prüfung und anschließenden Lieferung des Equipments durch STRABAG Rail direkt an HLR.
Anschlagtechnik beim Hub einer Gleishilfsbrücke
HLR bekam die technischen Zeichnungen zur Verfügung gestellt; diese wurden durch Phillip Schöning – er ist Maschinenbau-Ingenieur und Sales Engineer – geprüft. Entsprechend seiner Expertise wurden die Anschlagmittel zusammengestellt:
2x Rundschlinge WLL 85t = 10m
1 x Spreize 110t L = 13,25 m
4 x Schäkel WLL 25t G-4163
4 x Spreize 50t L = 3,5 m
4 x RS WLL 15t L = 2 m
4 x RS WLL 15t L = 6 m

Das ist jetzt KEINE Werbe-Einblendung, sondern einfach mal eine Spreize in Tiffanyfarben. Die Farbe ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Aber wenn in der Speditionswelt Firmen mit pinkfarbenen LKW herumfahren, die fast schon Nagellack-Charakter haben, warum dann kein Tiffanyfarbenenes Equipment?

Das HLR-Team setzte hierfür ein Spreizsystem aus modularen Spreiztraversen ein. Solche Systeme werden verwendet, um die Geometrie der Anschlagmittel und die zulässigen Anschlagwinkel einzuhalten, damit die Kräfte korrekt in die Anschlagpunkte eingeleitet werden können – auch wenn diese konstruktiv ungünstig oder teilweise verdeckt liegen.
Die hier eingesetzte Konstruktion besteht aus einer mehrstufigen Spreiztraversen-Anordnung. Durch diese Geometrie können größere Abstände zwischen den Anschlagpunkten überbrückt werden, ohne dass sich die Anschlagwinkel ungünstig vergrößern.
Redaktioneller Hinweis (März 2026):
Die Beschreibung der Funktion von Spreiztraversen wurde in diesem Beitrag technisch präzisiert.

Denn: Mit zunehmendem Anschlagwinkel steigen die Kräfte in den Anschlagmitteln deutlich an. Deshalb wird bei solchen Hebekonzepten darauf geachtet, dass die Anschlagwinkel möglichst klein bleiben. In der Praxis gelten Winkel bis etwa 30 Grad als unkritisch; zwischen 30 und 45 Grad steigt die Belastung der Anschlagmittel bereits deutlich an.
Winkel darüber hinaus werden in der Regel vermieden, da sich die Kräfte dann stark erhöhen und die Tragfähigkeit der Anschlagmittel entsprechend reduziert werden muss.
Je größer der Winkel, desto niedriger die Tragkraft der modularen Spreize
An der unteren Spreize erkennt man gut, dass der Anschlagpunkt konstruktiv verdeckt liegt. Durch die Kombination mehrerer Spreiztraversen konnte jedoch eine Anschlaggeometrie hergestellt werden, bei der die zulässigen Anschlagwinkel eingehalten werden.
Es stehen 0-45 Grad (0-30 Grad unkritisch; 30-45 Grad kritischer Bereich, größer 45 Grad nicht erlaubt) der Rundschlingen an der oberen Spreize zur Verfügung: Hier darf angeschlagen werden.
Alexander Maier sagt: „Das ist unser Service, und das leisten wir uns auch. Denn genau das hebt uns ab von vielen anderen. Stellen Sie sich vor, da kommen jede Menge Anschlagmittel auf die Baustelle, und der Kranfahrer soll das jetzt alles zuordnen, sortieren und vor allem so mit einander in Einklang bringen, dass ein derartiges Projekt mit einem verdeckten Anschlagpunkt auch sauber eingehoben werden kann.“

Was habe ich beim Gespräch mit Alexander Maier gelernt? Genau: Eine Spreize hat standardmässig vier Schäkel. Hier beim Projekt Gleisbehelfsbrücke Köpenick wurden über weitere vier Schäkel die Spreizenpaare miteinander gekoppelt.

Natürlich sieht der Profi, wie die Falllasche hängt. Die Falllasche ist dieses flache Teil, an den der lastseitige Schäkel befestigt ist. Wichtig ist, so Alexander Maier, dass der untere Schäkel gerade nach oben zeigt, da dieser nur 6 Grad zur Vertikalen abweichen darf. Je nach Hersteller kann dies leise variieren.
Fazit
Sieht doch alles ganz einfach aus: Der Kranprofi kommt mal eben, und hebt das Brückenteil ein. Was aber so drum herum noch zu beachten ist, das kann auch ein Kranprofi im ersten Wurf gar nicht leisten. Dafür gibt es die Anschlagmittelexperten. Die machen nämlich den lieben langen Tag nichts anderes, als sich um Standardlösungen, aber eben auch um verzwicktere Problemstellungen zu kümmern. Ich habe mal vorsichtig nachgefragt: Über den Daumen gepeilt würde ein derartiges Projekt, müssten alle Anschlagmittel gekauft werden, schon in die Nähe eines mittleren 5-stelligen Betrages rücken. Es ist üblich, dass an einem Tag aufgebaut wird, am nächsten der Hub erfolgt, und dann wieder abgebaut wird. Da ist, weil ein Krandienst derartige Anschlagmittel nicht täglich benötigt, das Mieten schon die wirtschaftlichere Lösung.
Beinahe hätte ich es vergessen:
In der Praxis spricht man hier häufig von einer mehrstufigen Spreiztraversen-Anordnung, bei der mehrere Spreizen kombiniert werden, um die erforderliche Anschlaggeometrie herzustellen.
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Alle Fotos: HLR
