DAS GESAMTPROJEKT AUF EINEN BLICK
Projekt: Austausch der Rohrbrücke über die A42 bei Bottrop
Auftraggeber: Evonik Industries
Ausführende Kranfirma: WASEL GmbH
Fertigung der Brückensegmente: Schone & Bruns GmbH & Co. KG, Emsland
Stahltransport: Über Land zum Binnenhafen, dann per Binnenschiff nach Bottrop
Hubtechnik: Zwei Liebherr LR 11000 im Tandembetrieb
Segmentgröße: Je 71 Meter lang, 7 Meter breit, 5,60 Meter hoch, 220 Tonnen schwer
Vorbereitung: Zwei Jahre Planung, Schotterbett, 1.500 Harthölzer, Sperrung der A42 (10 Tage)
Leistungen: Tandemhub im Hafen, Rückbau alter Brückenteile (bis 240 t), Montage der neuen Brücke
Besonderheit: Millimetergenauer Einhub bei beengtem Baufeld und engem Zeitplan
Zwei Jahre Planung, zwei 1.000-Tonnen-Krane und Millimeterarbeit über der A42
Im Juni 2025 wurde in Bottrop eines der technisch präzisesten Brückenprojekte der Region umgesetzt: Zwei Liebherr LR 11000-Raupenkrane entluden im Tandemhub zwei stählerne Brückenträger von je 220 Tonnen im Hafen. Wenige Tage später wurde einer dieser Träger über die A42 eingehoben – Teil eines Infrastrukturprojekts von Evonik. Die Besonderheit: Über zwei Jahre Planung und Vorbereitung – umgesetzt in wenigen Tagen, mit hoher Taktung und zuverlässiger Teamarbeit.
Schwerlasteinsatz in Bottrop – Ein Brückenprojekt, das auf Zusammenarbeit gebaut war
Wer in diesen Tagen am Bottroper Hafen oder rund um die A42 unterwegs war, bekam ein Bild von Kraft, Technik und Organisation. Und von einem ganz besonderen Projekt: Der Austausch der Rohrbrücke über die A42 – eine Maßnahme im Auftrag von Evonik Industries – wurde unter Beteiligung zahlreicher Akteure realisiert.

Federführend bei den Kranarbeiten: WASEL, eines der erfahrensten Schwerlast- und Kranunternehmen in Deutschland. Mit zwei Liebherr LR 11000 stellte man sich der Aufgabe – mit technischer Präzision und organisatorischem Feingefühl.
Schwerlastumschlag im Emsland – Von der Werkhalle bis zur Brücke
Der erste entscheidende Schritt für das Brückenprojekt über die A42 begann nicht in Bottrop, sondern im Emsland. Dort, bei der Schone & Bruns GmbH & Co. KG in Meppen, wurden die beiden neuen Brückensegmente gefertigt – beeindruckende Konstruktionen aus Stahl, mit einem Einzelgewicht von 220 Tonnen, einer Länge von 71 Metern und sieben Metern Breite. Schon die Fertigung dieser Träger erforderte höchste Präzision, schließlich sollten sie später auf den Millimeter genau in die vorbereitete Auflagerstruktur passen.


Nach Fertigstellung erfolgte der Schwerlasttransport vom Werk zum Binnenhafen im Emsland – ein aufwändiger logistischer Prozess, der Spezialtieflader, Genehmigungen und örtliche Verkehrslenkung erforderte. Von dort ging es weiter auf dem Wasserweg: Die beiden stählernen Kolosse wurden auf ein Binnenschiff verladen, und traten ihre Reise über die Wasserstraßen in Richtung Ruhrgebiet an.
Dieser Abschnitt, so unspektakulär er für Außenstehende wirken mag, ist in Wahrheit einer der anspruchsvollsten in der Schwerlastlogistik: Wendige Binnenschiffe, Brückenhöhen, Schleusenzeiten, Strömungsverhältnisse – all das musste exakt berechnet und geplant werden. Mit dem Erreichen des Bottroper Hafens war die erste große Etappe des Projekts abgeschlossen – und der eigentliche Hub konnte vorbereitet werden.
Tandemhub im Hafen – Zwei Giganten, ein Ziel
Die Entladung der beiden Brückenträger im Bottroper Hafen bildete den Auftakt der Kranarbeiten. Für diesen Einsatz wurden zwei Liebherr LR 11000 aufgebaut – mit jeweils 1.000 Tonnen Tragkraft. Die Tandemhebung der 220-Tonnen-Elemente war eine klassische Präzisionsaufgabe: Exakt synchronisierte Bewegungsabläufe, eine klare Kommunikation zwischen den Kranführern und durchdachte Lastverteilung.

Die Krane mussten das Gewicht jeweils zur Hälfte tragen – bei Ausladungen bis zu 80 Metern. Vorher wurde der Umschlagplatz aufwändig vorbereitet: Ein Schotterbett wurde verdichtet, rund 1.500 Harthölzer als temporäre Kettenlaufbahn verlegt, und die Krane auf Millimetermaß eingewiesen. Besondere Herausforderung: Die Krane standen zwischen Hafenanlagen, Schienengleisen und Umschlagpunkten – der Arbeitsraum war begrenzt, die Sicherheitsanforderungen entsprechend hoch.
Brücke auf Wanderschaft – Sperrung, Rückbau, Wiederaufbau
Nach dem erfolgreichen Hub im Hafen begann die zweite Phase: Einer der beiden LR 11000 wurde zurückgebaut, die Komponenten auf Spezialtransporte verladen und zur Brückenbaustelle transportiert – rund einen Kilometer entfernt. Der zweite Kran blieb zur Unterstützung am Hafen.





An der A42 begannen die Aufbauarbeiten unter Zeitdruck. Denn mit Beginn der zehn Tage umfassenden Vollsperrung der Autobahn musste jeder Schritt sitzen: Aufbau, Positionierung, Lasttests und schließlich der Rückbau der alten Rohrbrücke. In diesem Zeitfenster wurden vier alte Brückenteile mit einem Gewicht von bis zu 240 Tonnen zurückgebaut. Parallel dazu wurde das erste neue Segment an die Einsatzstelle transportiert und vorbereitet.
Millimeterarbeit unter Hochspannung – Einhub der neuen Rohrbrücke
Der Einhub des neuen Brückenteils war Millimeterarbeit unter realen Bedingungen. Die Stahlkonstruktion wurde exakt über den vorbereiteten Betonlagern eingehoben. Der Einhub erfolgte unter ständiger Beobachtung von Statikern, Bauleitung und Kranfahrern – jeder Handgriff war durchdacht. Mehrere Teleskopkrane unterstützten zusätzlich beim Versetzen von Übergangselementen, dem Rückbau alter Pfeilerteile und dem finalen Setzen der Anschlusskonstruktionen.
TECHNISCHE DATEN: LIEBHERR LR 11000
Quelle: www.liebherr.com
| Modell | Liebherr LR 11000 |
|---|---|
| Max. Traglast | 1.000 t |
| Max. Ausladung | bis 200 m (je nach Konfiguration) |
| Hauptausleger | bis 156 m |
| Gitterspitze | bis 108 m möglich (optional) |
| Ballastierung | bis 530 t (Drehbühne + Zentralballast) |
| Transportgewicht Basis | ca. 65 t |
| Einsatzbereiche | Brückenbau, Industrieanlagen, Großprojekte |
Liebherr sagt zu diesem besonderen Modell: „Mit seinen Auslegervarianten deckt der LR 11000 ein breites Einsatzspektrum ab. Hafenumschlag, Industriebau, Infrastruktur oder Windkraft – hier fühlt sich der LR 11000 überall zuhause. Konstruktiv ist der Kran auch ideal für beengte Verhältnisse ausgelegt, wie etwa in Raffinerien. Zudem wurde auf ein wirtschaftliches Transportkonzept geachtet: Der Kran ist auf eine Transportbreite von 3,5 m und eine Transporthöhe von 3,2 m ausgelegt. Die leichten Gitterstücke können, wie bei uns üblich, in die größeren Stücke eingeschoben werden – das spart Volumen und Geld.“
FAZIT
Zusammenarbeit, Planung, Vertrauen – und saubere Technik

Well done, Boys!
Was dieses Projekt besonders macht, ist nicht allein die beeindruckende Tonnage. Es ist die ruhige, durchdachte Umsetzung unter beengten räumlichen Bedingungen, mit einem klaren Zeitplan und einer Vielzahl paralleler Aufgaben. Vom Emsland bis zur A42 war dies ein Musterbeispiel für funktionierende Schwerlastlogistik, gestützt auf klare Kommunikation und hohe fachliche Qualität.
WASEL bewältigte die Kranarbeiten mit technischer Souveränität. Dass alles im Zeitfenster blieb, war keine Selbstverständlichkeit, sondern Ergebnis akribischer Planung und eingespielter Zusammenarbeit.
STIMMUNGEN VON MANFRED HAIDUK



Impressionen








Werbung wegen Nennung und Verlinkung von Marken und Namen
Alle Fotos, mit herzlichem Dank: WASEL

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